Lobbyistinnen für Jago – Teil 2

Wie berichtet werde ich von der besten Sissi von allen oft zur gemeinsamen Besichtigung von Hundefotos/-videos zum PC gerufen. Wir sehen welche, die Kunststücke können (Applaus!), andere, die sich patschert anstellen (na geh!), bedauernswerte angekettete (so a Gemeinheit!), zumeist aber herzige, putzige, drollige (süß, ha?).

Zuletzt wurde mir eine Hündin namens Lima präsentiert (Attribut putzig), die länger als gewohnt auf dem Bildschirm verblieb. Diese war zufällig(!) zu vergeben und war zur Pflege interimistisch auf dem Reitgut Schloss Niederabsdorf, wohin sie vom Verein THINO zur Weitergabe gebracht worden war. Ich verkniff mir jeden Kommentar, Sissi sagte nichts Weiteres, schaute mich aber irgendwie anders an als sonst, und wir gingen zur Tagesordnung über.

Wenige Tage darauf kam uns Regina besuchen, um Jago über das Wochenende mitzunehmen. Wie beiläufig fragte sie mich, ob mir Mama das Foto von Lima gezeigt hätte, und wie sie mir denn gefalle, und ob wir sie nicht alle zusammen am Sonntag besuchen wollen. Besuchen, sagte sie. Nur besuchen, sonst nichts. Nun aber war Sissi gerade in Kroatien, Sohn Erik in der Arbeit, und auf die lange Bank wollte es Regina nicht schieben. Wie fuhren also zu dritt nach Niederabsdorf, denn Jago war selbstverständlich mit dabei. Nach einer knappen Stunde kamen wir an und wurden von einem Rudel kleiner Hunde mit Gebell begrüßt. Jago war nicht sonderlich beeindruckt, zog aber für alle Fälle einmal den Schwanz ein, man kann ja nie wissen. Das Reitgut beherbergt nicht nur an die siebzig Pferde, sondern  auch fünf oder sechs eigene und zwei andere Hunde, die vorübergehend versorgt werden, bis ihnen jemand ein zu Hause gibt. Dazu fielen uns ein paar Mädchen im Schulalter auf, die einen Teil ihrer Schulferien hier verbringen. Burschen waren keine zu sehen, offenbar reiten die nicht. Die Gutsbesitzerin, Frau Lock empfing uns freundlich und bot etwas zu trinken an, denn es war ein heißer, windiger Tag. Sie wusste schon den Grund unseres Besuchs und stellte uns gleich alle Hunde vor, deren Namen ich mir nicht gemerkt habe, außer die der beiden Pflegeschützlinge, nämlich Lima, die ich schon vom Foto kannte, und Emma, die andere.

Bald wurde ich interimistisch von der Meute zum VIP ernannt, weil ich die meisten Schmankerln verteilte. Sogar Jago ließ sich zur Annahme eines Frolic herab. Bald versiegte der Snackregen, meine Fans verloren das Interesse an mir und gingen wieder ihren Geschäften nach, heißt sie legten sich irgendwo nieder.

Neben dem üblichen Small Talk erzählte Frau Lock über ihr Reitgut mit den etwa 70 Pferden, das sie seit mehr als 25 Jahren betreibt und über die vielen Schulmädchen in den Ferien. Wir erfuhren viel über die zahlreichen Hunde, waren hauptsächlich aber an Berichten über Lima und auch Emma interessiert. Erstere wurde als pflegeleicht und dominant beschrieben, letztere als pflegeleicht und verschmust. Kastriert und gechipt seien sie beide, und wachsen würden sie nicht mehr.

Beim abschließenden kurzen Spaziergang mit beiden hintereinander hatten wir die liebe Not, das Anlegen von Halsband und Leine waren sie nicht gewöhnt und sträubten sich nach Kräften. Ins Auto mussten wir sie mit sanfter Gewalt hineinheben, Jago hüpfte wie gewohnt selber hinein.

Ansonsten war unser Hund an den beiden Damen wenig interessiert, viel mehr an den vielen Rossknödeln mit den ungewohnten Gerüchen, in denen er sich mit Freude gewälzt hätte, was ihm auch einmal gelang.

Vor dem Abschied fragte ich die staunende, überraschte, erfreute, irgendwie erleichterte Regina, ob sie denn die Lima gleich mitnehmen wolle. Alsbald kamen wir aber überein, die Angelegenheit lieber zu vertagen und zu überschlafen. Außerdem waren wir einig, die Entscheidung nicht im Alleingang übers Knie zu brechen, sondern auch Mutter/Ehefrau ein gewichtiges Wort mitreden zu lassen. Wir kündigten unser Wiederkommen für den darauffolgenden Sonntag an und fuhren nachdenklich heim.

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Werner Simon, 21.9.2015

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