Leukämie ist Scheiße! Teil 58

Low- und Highlights, mehr low als high…

Der 10. Oktober war ein Dienstag, und ich war überraschend gut beisammen. Fürsorglich hatte ich das Diflucan gegen meinen Pilz nicht gleich nach dem Frühstück geschluckt, sondern auf später verschoben. Weil warum? Für zehn Uhr war eine, auf Grund meines zuvor miserablen  Zustands vom AKH angeforderte Sozialarbeiterin des „Soziales Wien“ angekündigt, um der besten Sissi von allen und mir Möglichkeiten der Hilfe im täglichen Leben aufzuzeigen und anzubieten. Die Dame erschien pünktlich, und ich stellte einleitend klar, dass bereits verschiedene einschlägige Vorsorgen zur Unterstützung getroffen wurden, nämlich

eine seit Jahren regelmäßig kommende Haushaltshilfe (eine echte „Perle“ namens Luca),

Lieferungen der großen Einkäufe durch Billa ins Haus,

Transporte ins Spital und zurück durch Rettungsfahrzeuge samt Sanitäter,                       

Norbert-Opa wird neuerdings mittels Besuchsdienst und Heimhilfe geholfen,

größere botanische (Schnitt)Arbeiten in unserem Kleingarten werden von einem Gärtner
durchgeführt,

die Anzahl der von BLUESimon durchgeführten Konzerte wurde auf ca. zwölf im Jahr reduziert (von früher bis zu dreißig).  

Durch diese Maßnahmen wird Sissi entlastet und kann sich im Bedarfsfall leichter mir widmen. Darüber hinaus weise ich darauf hin, dass meine auftretenden Schwächeanfälle akut und zum Teil ohne Vorwarnung auftreten – die Anwesenheit stundenweise unterstützenden Personals wäre also purer Zufall. Die Sozialarbeiterin stellte umgehend fest, dass Heimhilfe und/oder Besuchsdienst in meinem Fall wenig zielführend seien. Sie bot uns an, sie gegebenenfalls bei geändertem Bedarf neuerlich zu kontaktierten, übergab eine Anzahl Broschüren und Informationen und verabschiedete sich.

Am Mittwoch, 11.10. hatte Enkelin Mona den zweiten Geburtstag; die Feier war bereits für den darauffolgenden Sonntag vereinbart. Am Abend wohnte Sissi einer Diskussionsrunde im Raiffeisenforum am Donaukanal mit den Chefitäten der kleinen Parteien bei, die ich zustandsbedingt ausließ.

Tags darauf erschien der SMD zwar pünktlich um acht Uhr, auf die Blutabnahme musste ich aber ungewöhnlicher Weise für einen Donnerstag bis nach elf Uhr warten, wodurch die taggleiche Order von Blutkonserven wegen Zeitüberschreitung nicht mehr möglich war. Die Bestellung wurde also für den folgenden Freitag fix aufgegeben. Das einzig Erfreuliche an diesem Tag war, dass Prof. Sillaber meinte, ich möge das Diflucan noch ein letztes Mal einnehmen und dann absetzen. Die bleierne Müdigkeit sollte damit vorerst gebannt sein.

Am Donnerstagabend fand das erste BLUESimon Herbstkonzert dieses Jahres im Local statt („Tom & The Cats“ featuring Lili Kern). Weil die Anzahl der Vorbestellungen alles andere als berauschend war machte sich Sissi erbötig, auf meine Mithilfe zu verzichten, wofür ich sehr dankbar war. Wir vereinbarten, sie würde danach gleich in den Garten fahren, wo sie sich die lästige Parkplatzsuche nahe der Wohnung ersparen und gleich am Freitag früh anstehende Gartenarbeiten erledigen könne. Am Folgetag gegen Mittag würde sie die Hundsis aus der unserer Wohnung holen und sie am Nachmittag zu Regina bringen.

Für eben diesen Freitag, 14.10. war die Abholung ins AKH 18J für 08:30 bestellt, und die Herren waren überraschend pünktlich. Gleich wurde in Rekordzeit der Ven-Flo gesetzt, sogar der Herr Doktor ließ nicht lange auf sich warten und schloss die Konserven an. Die Auskunft der Leitstelle im SMD lautete wie immer „innerhalb der nächsten Stunde“, also ließ ich mir ein zweites Frühstückskipferl und Kaffee schmecken, gefolgt von einer Banane. Erstaunlicherweise kamen die Sanitäter schon nach einer halben Stunde, wodurch ich knapp vor Mittag zu Hause war.

Erik tauchte um 15:00 auf, labte sich mit einer Portion Chili Con Carne und verkündete, er werde jetzt ein bissl skaten gehen; nein, verletzen werde er sich nicht (!). Mein Angebot, ihm in Hinblick auf die am Samstag stattfindende mündliche Deutschmatura-Prüfung irgendwie zu helfen, lehnte er dankbar ab. Er habe alles Nötige getan, jetzt brauche er nur noch a bissl a Glück.
Der Junior hat entweder keine Nerven, ist ein Verstellungskünstler oder ein orientalischer Fatalist und geht in aller Ruhe skaten, abends werde er wieder da sein.
Wenn ich mich an meine Matura zurückerinnere – einerlei ob mündlich oder schriftlich – mich hat  es gebeutelt wie ein Rennpferd vor dem Start. Morgen wissen wir mehr, ich werde berichten…

 

2 Kommentare

  1. Wie euch letztens geschrieben, lieber Werner und liebe Sissi, ein Wellental!!! Nicht oben und nicht unten. Natürlich mit so freudigen Ereignissen wie der 2. Geburtstag der Enkeltochter ist der Daumen oben! Liebe Grüße Babsi

    1. DANKE liebe Babsi für Deine lieben Kommentare… ich zeig´s Werner – denn zu allem Unglück ist jetzt noch sein PC kaputt! Ich muss nächste Woche ein neues Kastl kaufen und zusammenbauen für ihn…. das MUSS sein!

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