Leukämie ist Scheiße! Teil 53

…ist Transport auch Sport? 😀 

Es ist voraus zu schicken, dass das logistische Hin ins AKH sowie auch das Her zurück nach Hause eines enormen Lernprozesses bedürfen, der auch mir nicht erspart geblieben ist. Bis zum heutigen Tag,  29.Aug.2017 bin ich in die Materie nicht zur Gänze vorgedrungen, bestenfalls habe ich an der Oberfläche gekratzt. Es besteht der dringende Verdacht, dass auch die hinsichtlich der Organisation direkt Beteiligten nicht in allen Facetten firm sind, erschöpfende und zur Gänze richtige Auskünfte wurden mir bis heute nicht zuteil; die beste Sissi von allen stimmt mir in diesem Punkt voll zu.

Mein Lehrgeld habe ich brav und bar bezahlt, unzählige Male bin ich wider die Vernunft selbst mit dem Auto gefahren und habe die nicht gerade wohlfeile Garagenkasse mit mittlerweile hunderten Euros gefüttert; alternativ mit den Öffis zu fahren spart zwar Geld, ist aber ähnlich schwachsinnig. Der überfüllte Dreizehner und die voll ausgelastete U6 werden mir ewig im Gedächtnis bleiben; über die Taxikosten will ich mich nicht verbreitern. Einmal, wirklich nur ein einziges Mal habe ich es probiert, einen der privaten Fahrtendienste in Anspruch zu nehmen – auf den Transport ins Spital habe ich mehr als eine Stunde gewartet, es war ein Fahrzeug auf dem Weg zu mir mit einem Defekt liegengeblieben, es musste ein Ersatzauto einspringen. Der Chauffeur entschuldigte sich wortreich – für die Rückfahrt werde er pünktlich eintreffen. Ich werde nie erfahren, warum ich in Station 18J wieder mehr als eine Stunde vergeblich wartete, ehe ich entnervt ein Taxi nahm. Auch die hilfreich immer wieder telefonierende Schwester verlor sich in den unendlichen Weiten der Warteschleife und stand vor einem Rätsel.

Um das Wesentliche vorweg zu nehmen: es ist einfach und bequem, sich mit einem Rettungsauto fahren zu lassen; die Krankenkasse bewilligt im Voraus bis zu zwanzig Transporte, in meinem Fall sogar begleitet von einem Sanitäter für den Fall, dass ich kollabiere. Der/die AllgemeinmedizinerIn übernimmt den Vorgang der Einreichung, die positive Antwort erhält man in der Ordination prompt per Fax. Leider war ich zu naiv, diese Möglichkeit vom Start weg in Anspruch zu nehmen; man kann sich ja auch über den Kopf hinweg mit der linken Hand am rechten Ohr kratzen (und vice versa).

Wie mehrfach berichtet, musste ich einige Male tatsächlich die Rettung in Anspruch nehmen und mich in die Notambulanz bringen lassen (siehe Bericht), weil einerseits mein Zustand erbärmlich war und andererseits der Notarzt nach 17Uhr schon nicht mehr im Dienst war. Es waren Erfahrungen, die ich nicht missen möchte: Blaulicht, Folgetonhorn, bei Rot über Kreuzungen, Routen die Einsatzautos im Einsatz vorbehalten sind etc.

Zum status quo: leider erst seit dem jetzigen Zyklus Vidaza bestelle ich vorweg die Abholung von daheim, oft sind die wirklich pünktlich, außer es kommt ihnen ein Akuteinsatz in die Quere. Auch muss ich nicht mehr argumentieren, warum ich ausgerechnet auf die Station 18J gebracht werden will, man glaubt mir einfach. Mit Ausnahme des „Grünes Kreuz“ bin ich mittlerweile mit allen Diensten gefahren, sogar durch ein Versehen mit der Wiener Berufsrettung, ich hatte 144 gewählt und mich offenbar unglücklich ausgedrückt – na mehr habe ich nicht gebraucht! Der beamtete Sanitäter hielt mir einen recht umfassenden Vortrag über die nicht bestehende Notwendigkeit dieses Einsatzes, und ich möge gefälligst beim nächsten Mal einen dafür vorgesehenen Dienst in Anspruch nehmen. Noch dazu sind in Fahrzeugen der Wiener Berufsrettung Beförderungen im Sitzen nicht möglich, ich musste also liegend transportiert werden – die Leute auf 18J haben verwundert geschaut.

Vieles ist in allen Fahrzeugen gleich oder sehr ähnlich, manchem begegnet man  selten – eine einzige weibliche Sanitäterin ist mir vor das Auge gelaufen, nicht aber mit mir gefahren. Sehr viele Begleiter haben Migrationshintergrund, aber nur ein einziger war Asiate, erstklassiges Deutsch sprechen sie alle.

Die Autos sind etwa gleich ausgestattet, das technisch-medizinische Equipment sagt mir als Laien wenig, alles zusammen soll es etwa so viel wie der Transporter selbst kosten, mehr oder weniger. Bei meinen Notbeförderungen kam einiges davon zum Einsatz, leider war ich dabei aber zustandsbedingt nicht in der Lage, Sinn und Zweck der Geräte zu erkennen.
Ausnahmslos alle Fahrzeuge scheppern gewaltig, aber man gewöhnt sich dran. Die Klimatisierung ist von unterschiedlicher Qualität und von der Außentemperatur abhängig. Unser mitteleuropäischer Körper ist es aber jedenfalls gewohnt in der Hitze zu schwitzen und bei Kälte zu frieren, also was soll´s?!

Auch bei den Beförderungen ohne Blaulicht habe ich die unterschiedlichsten Routen kennen gelernt; viele davon hätte ich auch so gewählt, andere waren wenig plausibel. Den Fehler, dem Fahrer einen aus meiner Erfahrung anderen Straßenzug vorzuschlagen, habe ich nicht oft gemacht. Es war, als hätte ich an dessen Ehrenkodex gekratzt – ich stieß auf Ablehnung und Unverständnis. Erst später kam ich dahinter, dass die Leitstelle den Weg oft über das Navi vorgab und vom Chauffeur nicht nach eigenem Gutdünken geändert werden darf. Viele Umwege ergaben sich aus der Tatsache, dass noch andere Spitäler angefahren werden mussten, weil mehrere Patienten mit mir im Auto waren und abgeliefert werden mussten. So lernte ich das Evangelische Krankenhaus, das Sophienspital, das Herz Jesu Krankenhaus und noch andere wenigstens von außen kennen.

Einige Attitüden sind den begleitenden Sanitätern gleich: „Sodala“ ist ein geflügeltes Wort und wird inflationär verwendet. „Sodala“, wir sind angeschnallt, „sodala“ hier ist die E-Card zurück, „sodala“, jetzt simma gleich da und so weiter. Oft ist man mit der Anrede „der Herr“ konfrontiert, so wie ein übellauniger Ober einen Gast anspricht, den er nicht oder nur flüchtig kennt, und der nicht mindestens ein Doktor, ein Professor oder wenigstens ein Direktor ist. Nicht dass mich das sonderlich stört, aber ein Blick auf die E-Card hätte genügt um mich mit Namen anzusprechen.

Viele verschiedene Menschen lernt man kennen: Zivildiener, Studenten, Auszubildende, fertige Sanitäter etc. Es gibt Frohnaturen, mit denen ich mich gerne zu unterhalten pflegte, Neutrale, die ständig auf ihren Smartphones herumtipfelten, Stad-Schauerte, die nichts als Löcher in die Luft starrten, und auch Mieselsüchtige, die in ihrem Job nicht wirklich glücklich sein dürften.

Drei nette, keineswegs mieselsüchtige Herren vom SMD!

 

 

 

 

 

Zum Fahrtendienst selbst – seit ich zu den besser Informierten gehöre, habe ich immer den Sozial-Medizinischen-Dienst, kurz SMD in Anspruch genommen. Diesen kann man für die Fahrt von daheim ins AKH vorweg telefonisch über die Leitstelle vorbestellen, meistens funktioniert das gut und pünktlich. Ein einziges Mal musste ich eine Stunde warten, es war ein Akutfall dazwischen gekommen und ein anderes Fahrzeug musste einspringen.

 

Die Rückfahrt ist leider nicht planbar, niemand kennt im Voraus den genauen Zeitpunkt. Eine Schwester telefoniert gleich nach meinen Therapien und Infusionen oder auch schon etwas davor, und danach wird es spannend. Die längste Wartezeit waren drei Stunden, da war ich schon recht grantig. Dies widerfuhr mir aber nur ein einziges Mal, über bis zu einer Stunde rede ich gar nicht… Geduld ist jedenfalls immer gefragt und die habe ich mittlerweile gelernt zu haben!

 

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