Leukämie ist Scheiße! Teil 22

„Nicht schon wieder…!“

Am 30. Dezember 2015 stationär im AKH, ein Jahr danach wieder im Dezember, diesmal aber schon am zwölften… und wahrlich in keinem beneidenswerten Zustand – kurzatmig, schwindlig, wenig Blutdruck, sehr hoher Puls, bis zu 38,6° Fieber am Vorabend, ungeordneter Stoffwechsel etc.
Auf Grund der Hartnäckigkeit der besten Sissi von allen prompt auf Station 18I abgeliefert, wurde ich sofort in ein Bett verfrachtet, mit einer Sauerstoffmaske versehen, Kochsalzlösung und Antibiotikum infundiert. Ohne einen Befund abzuwarten wurden Blutkonserven und Thrombozyten zur alsbaldigen Verabreichung bestellt.

Fürs Erste war ich damit zunächst einmal stabilisiert, die Lungenentzündung wurde bei der Computertomografie am folgenden Tag bestätigt und als gut behandelbar eingestuft. Ein paar Tage würde ich schon bleiben müssen; mein Einwand, ich wolle nicht den zweiten Silvester hintereinander im Spital zubringen müssen, wurde zunächst einmal zur Kenntnis, aber nicht ernst genommen.
Weil es neben der Pneumonie noch andere Baustellen in mir zu bearbeiten galt, war der Besserungsverlauf eher zögerlich. Als erstes stellte sich mein Blutbild insgesamt bald erfreulicher dar und meine Atemleistung wurde besser; bei abgesetzter Sauerstoffzufuhr erreichte ich immerhin 90% des Möglichen, ein passabler Wert wenn man in Rechnung stellt, dass ich fast dreißig Jahre lang gefechtsmäßig geraucht habe. Um den 23.12. normalisierte sich auch meine Verdauung bis hin zum Endprodukt, ein nicht unwesentlicher Beitrag zu meiner Gesamtbefindlichkeit.
Danke liebes Christkind für die Erfüllung dieses meines Weihnachtswunsches!

Obwohl es somit aus meiner Sicht möglich gewesen wäre, das Fest schon zu Hause zu verbringen, wollte man mich noch eine Zeit lang zur Behandlung und Beobachtung behalten. Sinnhafter Weise protestierte ich nicht, gab mir doch die Betreuung durch das ärztliche und pflegerische Personal das Gefühl der Sicherheit.

Alle Familienmitglieder kümmerten sich rührend um mich, es verging kein Tag, an dem ich nicht von der besten Sissi von allen und/oder den Kindern besucht wurde.
In freudvoller Erinnerung wird mir der Nachmittag des Heiligen Abends bleiben. Zusammen mit Sissi, Regina, Allard und Erik befand ich mich im Aufenthaltsraum, wo wir eine kleine Feier samt Bescherung abhielten, als Männergesang mit Gitarrebegleitung an unsere Ohren drang. „Hört ihr“, sagte Allard, „da singt doch einer portugiesisch“.
Nichts wie hinaus bei der Tür zum Christbaum, neben dem die beiden Spitalseelsorger standen und saisonale Lieder sangen. Den evangelischen kannte ich schon von zahlreichen Visiten, den katholischen hatte ich auch schon einmal gesehen, als er einem morituren Bettnachbarn Trost zusprach und ihm wohl auch die Letzte Ölung zuteil werden ließ. Letzterer hielt die Gitarre und sang deutsch, aber auch portugiesisch, weil er nämlich ein brasilianischer Dunkelweißer ist, der in der Spitalskapelle als Pfarrer Alberto die Messe liest.
Alsbald kamen wir ins Plaudern, an gemeinsamen Themen mangelte es auf Grund unserer starken Connection mit Brasilien nicht. An den folgenden Tagen besuchte mich Paroco Alberto noch ein paar Mal im Krankenzimmer und trug so zur Bereicherung meines Aufenthalts bei.

Anlässlich der Visite am 27.12. wurde mit Befriedigung auf meinen weiter gebesserten Gesamtzustand hingewiesen; am 30.12. könne ich sehr wahrscheinlich in häusliche Pflege entlassen werden, der Zeitpunkt für die Fortsetzung der Vidaza Therapie sei bei einem baldigen Kontrolltermin festzulegen.

Also zum Glück kein zweiter Silvester hintereinander im Krankenhaus, „Dinner For One“ zum x-ten Mal vor dem eigenen Fernsehapparat – keine große Festivität, aber immerhin daheim! 

Fortsetzung folgt demnächst…

 

 

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