Leukämie ist Scheiße! Teil 21

Schlecht? Guat? Oda wos?

„Es gibt…“, pflegt die beste Sissi von allen zu sagen, „es gibt nix Schlechts, wo net wos Guats a dabei is“. Diese Generalprognose von filosofischer Subtilität stammt von ihrer Großmutter selig und soll sich in der Vergangenheit öfter als richtig herausgestellt haben, wenn auch meist in Form von Marginalien.

Gutes im Schlechten ist in der folgenden Episode tatsächlich und nachhaltig geschehen: Am 30.11.2016 war ich im AKH zu einer weiteren Kontrolle angetreten, verbunden mit der Festlegung des Therapieplans für die „Chemo Light“ mit dem klingenden Name „Vidaza“, deren Aufgabe es ist, maligne Zellen und Blasten in den Leukozyten aufzuspüren und zu vernichten. Dies wird durch je zwei subkutane Injektionen bewerkstelligt, die in der Tagesklinik sieben Tage lang verabreicht werden, unterbrochen durch Wochenenden und Feiertage; danach sind etwa 20 Tage therapiefrei.

Als Start des ersten von insgesamt fünf bis sechs Durchgängen wurde der 5. Dezember festgelegt, an dem ich mich auftragsgemäß im Verlauf des Vormittags brav meldete. Die Spritzen in die Bauchdecke schienen zunächst harmlos zu sein, hatten allerdings in der Folge unangenehme harte Ausbuchtungen an den Einstichstellen zur Folge, deren Behandlung mit dem dafür vorgesehenen Nachtkerzenöl genau NIX brachte.

Die Woche verlief ohne besondere Vorkommnisse, als es mir zum Wochenende hin schlechter zu gehen anfing. Schüttelfrost am Samstag gegen Abend, in der Folge 38,5 Fieber mit allem, was dazu gehört. Am Sonntag leichte Besserung, dafür am Montag früh der totale Breakdown: wenig Blutdruck, hoher Puls, Herzrasen, Hustenanfälle bis hin zum Brechreiz, Schwindel, Schwäche, Atemnot…
Die äußerst besorgte Sissi erreichte zum Glück telefonisch gleich Prof. Sperr, der ihr nahelegte, mich unverzüglich einliefern zu lassen, und zwar nach 18I, man werde sofort aktiv werden.
Die herbeigerufene Berufsrettung stimmte dem nur unwillig und zögerlich zu; Notfälle wie ich würden üblicherweise ausschließlich in die Notfallambulanz verbracht, und aus. Erst der heilige Zorn der besten Sissi von allen führte zum Erfolg, und ich wurde mit Folgetonhorn und Blaulicht in die richtige Station des AKH geführt, wo schon ein Bett auf mich wartete und erste Maßnahmen ergriffen wurden. Bei der tags darauf durchgeführten Computertomografie bestätigte sich, was ich befürchtet hatte, nämlich eine veritable Lungenentzündung. Diese sei, so erklärte man mir, gut behandelbar, ich möge mir keine Sorgen machen. Ein bissl allerdings würde ich schon in den Genuss der pflegerischen Gastfreundschaft kommen.

Und wo, bitte schön, wo ist jetzt „des Guate im Schlechtn?“ Kurz und prägnant: „I rauch nix mehr!“ Und das ist, bitte schön, wahrhaftig „wos Guats“. Ohne darum gebeten zu haben, wurde mir jeden Tag ein Nikotinpflaster auf die Haut gepickt, was die Sache noch weiter erleichterte. Mit dem Vorhaben, mir das Rauchen abzugewöhnen, war ich schon längere Zeit schwanger gegangen, dass es auf diese Art passieren würde, ist mir recht; für den nachhaltigen Erfolg werde ich sorgen, umso mehr als ich mir regelmäßig anschauen muss, was für ein Dreck beim Husten die Lunge verlässt.

Fortsetzung folgt demnächst…           

 

Ein Kommentar

  1. Ich hoffe du hast die nächsten “ Einheiten“ besser überstanden. Ich wünsche dir alles Liebe, Geduld, Zuwendung, innere Zuversicht…halt alles was du magst und brauchst.

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