Leukämie ist Scheiße! Teil 23

Einige fast normale Tage…

„Ist’s zu Silvester hell und klar, ist am nächsten Tag Neujahr“. Diese schwachsinnige Bauernregel hatte sich wieder bestätigt, auch wenn ich mich nicht erinnere, wie das Wetter am 31. Dezember war. Das schon traditionelle alternative Neujahrskonzert in der Stiegl-Ambulanz ließen die beste Sissi von allen und ich vorsichtshalber aus – erstens mangels Immunsystem, zweitens weil ich noch nicht so fest auf den Beinen war.

Am 3. und am 5. Jänner hatte ich das Vergnügen weiterer Kontrolluntersuchungen im AKH, und es wurde die Fortsetzung der Vidaza-Therapie („Chemo Light“) ab dem folgenden Montag festgesetzt, wie immer jeden Tag in Station 18J/Tagesklinik.

Weil ich mich nicht täglich dem Keimparadies U-Bahn aussetzen wollte, andererseits nach Möglichkeit nicht selbst mit dem Auto fahren sollte, ließ ich mir bei der KFA über die praktische Ärztin Krankenbeförderung bewilligen, was sich alsbald als wenig vorteilhaft herausstellen sollte. Der erste rechtzeitig telefonisch bestellte Hintransport verzögerte sich fast um eine Stunde, das für mich vorgesehene Fahrzeug soll eine Panne gehabt haben, und es musste ein Ersatzauto besorgt werden. So weit, so schlecht, der Ersatztransporteur entschuldigte sich wortreich. Am Ziel angekommen legte er Wert darauf, ja insistierte förmlich, mich in einem Rollstuhl auf die Station zu führen, wogegen ich mich letztlich nicht wehrte; vielleicht waren ihm frühere transportierte Patienten unterwegs niedergebrochen. Ein von ihm vorgelegtes Papier wurde mit dem Stationsstempel und Unterschrift versehen, und der Chauffeur verabschiedete sich. Für die Heimfahrt möge ich mich der bekannten Telefonnummer bedienen, es würde alsbald ein Wagen kommen.

Die Verabreichung der beiden therapiegemäßen Subkutanspritzen dauerte nicht allzu lange, auf Grund meiner verzögerten Ankunft waren die Präparate schon bereit. Wie immer zuvor massierte ich hinterher an den Einstichstellen Nachtkerzenöl in die Bauchfalten ein und ließ mir dann für eine Viertelstunde einen Eisbeutel auflegen. Beides soll die Bildung schmerzhafter Dippel verhindern oder zumindest minimieren; beides nutzt genau nix, die Dippel sind da, und weh tun sie auch. Nach Beendigung des siebentägigen Zyklus schaut die Bauchdecke aus wie eine Buckelpiste.

In der Zwischenzeit hatte sich die freundliche, beflissene Schwester erbötig gemacht, für mich den Heimtransport zu organisieren; die Telefonnummer des Fahrtendienstes sei ihr geläufig.
Zu Mittag wurden Powidltatschkerl und Apfelkompott gereicht, gar nicht schlecht. Gerade wollte ich mich auf eine kurze Rast ins Bett begeben, als die Schwester zurückkam und verkündete, die Telefonleitung sei offenbar sehr überlastet und sie käme seit über eine halbe Stunde nicht durch. Ich möge mich weiter gedulden und mich ruhig ein bissl hinlegen. Tatsächlich scheine ich ein bisschen eingenickt zu sein, als die Pflegerin abermals auftauchte und mir die erfolglose Verlängerung ihres Telefonversuchs mitteilte, weiter als in die Warteschleife sei sie leider nicht vorgedrungen. Ob ich denn noch weiter warten wolle, oder was? Dankend lehnte ich ab und beschloss, für die Heimfahrt ein Taxi zu nehmen. 👿 

Morgen werde ich gegen jede Vernunft selbst mit dem Auto fahren. Die sieben Tage Therapie vergingen ohne Vorkommnisse, abgesehen von einer Bluttransfusion am Donnerstag war am darauffolgenden Dienstag der Zyklus vorbei.
Doch es sollte bald Schlimmeres auf mich zukommen….

Übrigens – ich trage jetzt gerne Hosenträger statt Gürtel oder noch lieber Jogginghosen mit lockerem Gummizug. 😕 

Fortsetzung folgt, leider…

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