Leukämie ist Scheiße! Teil 16

Grande Finale, zweiter Abschnitt

„Es gibt“, pflegt die beste Sissi von allen zu sagen, „nix Schlecht´s, wo net a wos Guat´s dabei is“. Ein wahrlich weiser, oft bewahrheiteter Spruch, den sie von ihrer Oma selig übernommen hat.
Eingerückt um neun, und um eins noch um weitere zwei Stunden außerplanmäßigem Warten gebeten, wo bitte ist da „des Guate“? Immer schon ein vifes Kerlchen gewesen, fällt es mir alsbald wie Schuppen aus den Haaren: Ich werde mir Gutes tun, und einer mir bereits lieb gewordenen Gewohnheit folgend meine übliche Runde spazieren. Weil ich dabei zwangsläufig beim Cafe/Restaurant „Clinicum“ vorbei komme, werde ich dieses Mal einkehren und mir einen großen Braunen und eine Apfelstrudel vergönnen. Das ist zwar nur ansatzweise „wos Guat´s“, aber Bescheidenheit ist schon immer eine Zier gewesen, oder?

Anders als zuletzt muss ich mich nicht weiß ich wie adjustieren, es soll draußen warm sein. Also geschwind das Kapperl auf den Kopf und hinunter nach Ebene vier, Ausgang Lazarettgasse. Als ich die automatische Türe ins Freie durchschreite, trifft es mich keulenschlagmäßig: es ist nicht warm, es ist heiß. Sehr heiß! Zu heiß! Eine Sekunde lang zögere ich und überlege, ob mein Vorhaben wirklich eine gute Idee ist und es nicht opportun wäre, im klimatisierten Haus zu bleiben. Zielorientiertheit, Pioniergeist und besonders die Aussicht auf den Apfelstrudel besiegen den inneren Schweinehund, und ich setze mich langsam in Bewegung.
Es gibt im Moloch AKH wirklich vieles, nur eines gibt es nicht, nämlich Schatten um die Mittagszeit. Alsbald ärgere ich mich, dass ich meine Sonnenbrille vergessen habe, das Sonnenlicht ist sehr grell und beleidigt die Augen. An der Außenstiege nach Ebene fünf angekommen, habe ich den ersten Schweißausbruch. Wie, bitte schön, soll ich denn die Stufen derpacken, wo doch das ebene Gehen schon beschwerlich ist? Unter Aufbietung aller Kraft erreiche ich das „Clinicum“, in dem Großkampftag angesagt ist. Alle Plätze unter den Sonnenschirmen sind besetzt, gerade noch erwische ich einen peripheren Sessel, halb im Schatten, halb in der Sonne, das heißt mein Norden ist angenehm, mein Süden der gnadenlosen Temperatur ausgeliefert. Mein Verlangen nach Kaffee und Strudel habe ich unterwegs bereits abgelegt, eingetauscht gegen Cola und Speiseeis. Die Karte bietet nicht das von mir bevorzugte „Coupe Dänemark“, aber dafür eine Schale mit Nussvariationen-Eis, deren Abbildung Gutes verheißt. Angesichts des regen Geschäftsganges und der Hitze erscheint die Kellnerin überraschend rasch und nimmt freundlich lächelnd meine Bestellung entgegen, wohl wissend dass deren Auslieferung ein bisserl dauern wird. Das Cola kommt bald, die Verdurstungsgefahr ist vorerst gebannt. Die Lektüre der Speisekarte ist nicht abendfüllend, also komme ich nicht umhin, die Wartezeit mit dem Ausstallieren der Gäste zu überbrücken, einer Tätigkeit, die ich sonst gerne der besten Sissi überlasse. Immerhin springen mir einige interessante Typen ins Auge: Herren mit gut trainierter Gössermuskulatur, Damen mit ausladenden Busituren und ebensolchen Bumbums (für Nicht-Brasilianer: das ist die Kehrseite!), eine Rollstuhlfahrerin mit einem blauen Auge, ein Althippie schwitzt unter seiner Perücke, ein Endvierziger präsentiert opulent tätowierte Arme, die meisten anderen Besucher schauen zu normal aus um erwähnt zu werden.
Und wie, zum Geier, schreibt man „ausstallieren“ wirklich?

Fortsetzung folgt

P.S. von Sissi: das Bild vom Juni 2016 soll ein Beispiel dafür sein, WIE nun die kuzen Zeitspannen der Heim-Urlaube vom AKH verbracht werden… leider ohne LIVE-Musik, doch mit Aufenthalten im Freien, z.B. im Garten und Spaziergängen in der Praterau!

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