Leukämie ist Scheiße! Teil 17

Grande Finale, dritter Abschnitt

Den Wanderweg der lieben Sonne habe ich falsch vorausgesehen: der halbe Schatten auf meinem Platz im „Clinicum“ ist nicht mehr, sondern weniger geworden, also ist meine dominierende Südseite schon gut durch, während mich das Restl meiner unterlegenen Nordseite zu einer unkommoden Sitzposition veranlasst. Gerade noch rechtzeitig liefert die freundliche Kellnerin mein Eis, vielmehr das, was es bei seiner Zubereitung gewesen sein muss, denn mittlerweile ist es eher ein moritures Sorbet. Man erkennt drei Kugeln Eis (Walnuss, Haselnuss(?) und Vanille), darüber deformiertes Schlagobers und on top eine halbe Walnuss. Auf dem Grund der Schale findet sich ein Kreis aus ganzen Haselnüssen, der das Ganze artig umrundet. Rascher Verzehr ist angesagt, sonst kann man den Rest nur noch trinken – nein, kulinarische Sensation ist das keine, aber ich freu´ mich so auf Eskimo.
Der Walnuss ist mein, so wie ich marodes  Kauwerkzeug noch gewachsen, an den Haselnüssen scheitert es kläglich. Alsbald verlange ich die Rechnung (ja, die haben eine Registrierkasse), bezahle und bahne mir meinen Weg ins Freie durch zahlreiche Rollstühle, die ja bekanntlich voluminöser sind als ordinäre Sitzgelegenheiten.

Es ist etwa halb drei geworden, als ich Station 18I wieder betrete; ein Patient sei schon weg, der andere gerade im Gehen. Kurz darauf wird mein Bett geliefert – es ist offenbar Usus oder Vuaschrift, neu angekommenen stationären Patienten nicht nur eine frisch bezogene Liegestatt zu bieten, sondern eine von Grund auf desinfizierte. Das wird schon einen Sinn haben, jedenfalls schafft es Arbeitsplätze.
Die Namensschilder an der Tür zu dem mir zugewiesenen Zimmer 402 lauten „Link“ bzw. „Mayr“. Der Link ist schon weg, den Mayr lerne ich noch kurz kennen. Als ich eintrete, finde ich den jungen Algerier vor, den ich schon einmal zum Lungenröntgen begleitet hatte, er liegt in der Mittelposition. Beim Fenster unter dem gnadenlosen Kaltluftauslass der Klimaanlage befindet sich ein Rumäne. Also „Mayerlink“ gegen Algerien und Rumänien – a guata Tausch? Beide sprechen nix Deutsch, nix Englisch, auch mein noch  spärliches vorhandenes Französisch funktionierte nicht… also bleiben mir zwei weitere Krankengeschichten erspart, Small Talk sowieso.

In der Folge das bekannte Prozedere, Kommentar überflüssig, so wie auch die gewohnte morgendliche Betriebsamkeit. Bei der Visite am folgenden Tag stellt mir die Frau Professor eine weitere Biopsie (insgesamt die vierte) in der hinteren Hüftgegend in Aussicht, mit der Chemo werde morgen, also am Samstag, begonnen; Abfolge wie gehabt. Kurzer Heimurlaub ab Donnerstag über das Wochenende ist in Aussicht.

PS: Der aktuelle letzte Stand der Dinge von heute, 6. Juli. Die Tage der tatsächlich gewährten Spitalsaufenthaltsunterbrechung daheim im Garten verbracht, vermisse ich unsere Hunterln, weil die sind bei Tochter Regina. „Eh gut“, sagt die beste Sissi von allen, „weil Jago und Emma sind nicht weiß ich wie keimfrei“.

Bei der Visite stellt die Frau Professor fest, es sei wieder eine Punktlandung gelungen, das Blutbild insgesamt im Keller, Ground Zero… Man werde mich bald „anfüllen“ (heißt Blut und Blutplättchen infundieren), mein Immunsystem wieder sei so gut wie nicht vorhanden. Ich möge „vorsichtig sein“ (wie, bitte, ist man „vorsichtig“, wenn so gut wie überall Keime herumfliegen können) und Menschenansammlungen meiden. Alle vier Biopsien weisen einen Blastenanteil vier auf, bis fünf sei ok. Wer nicht weiß was „Blasten“ sind, darf ausnahmsweise googeln…

Mit zwei faden Wochen möge ich jedenfalls rechnen, sofern keine Komplikationen auftreten…

 

 

 

2 Kommentare

  1. Bei nächster möglicher Gelegenheit dürfen wir dich auf ein g’scheites Eis einladen, vielleicht beim Verzehr auf normalen Sesseln sitzend?
    Das Wort „punktgenau“ werden wir Übernehmen um unsere Ziele zu definieren.
    Wir wünschen dir weiterhin viel innere Kraft um die schwere Zeit gut zu bewältigen!

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