Leukämie ist Scheiße! Teil 15

„Finale Grande“, erster Abschnitt – 23.06.2016

Es ist so weit. Es geht weiter, hoffentlich zum guten Ende. Finale Grande!
In der Ambulanz am 20.6. hatte mir Prof. Hauswirth mitgeteilt, mein Blut habe sich wieder nur langsam erholt, nichts desto trotz sei es bereit für die vierte Konsolidierung, also den insgesamt fünften Chemodurchgang; allerdings müsse ich wieder auf ein Bett warten. Zwischen den Zeilen in seiner Sprechblase kann ich lesen, dass er mit den Zuständen „da oben“, also in der Station 18I nicht glücklich ist, also stelle ich mich mental auf eine längere Wartedauer ein; wie jedes Mal werde ich auch dieses Mal telefonisch verständigt werden. Ich möge mich aber für alle Fälle für kommenden Montag neuerlich in der Ambulanz anmelden; sollte ich wider Erwarten früher aufgenommen werden, dann wäre dieser Termin obsolet und abzusagen.

Es kommt, wie es der Brauch ist, wieder erstens alles anders, und zweitens als man denkt. Denn schon am darauf folgenden Mittwoch ereilt mich der Anruf einer freundlichen Schwester von 18I – ab morgen sei Platz für mich, ich möge mich bis 9h00 einfinden. Also baba lieber Garten, baba Wienergassen Blues in Bruck, baba 4some Blues am Sonntagnachmittag im Local. Baba.. und foits ma net…. ich komm irgendwann wieder!

Zu allem Überfluss bin ich gerade dabei, unser Auto wegen der, im 4. Bezirk am helllichten Tag zwecks Navi-Diebstahl eingeschlagenen Beifahrerscheibe in die Reparatur zu bringen (die dazugehörende Story findet sich sicher auf Facebook), die Abholung desselben wird daher der besten Sissi von allen obliegen. Also packe ich geschwind ein paar Sachen für´s Spital ein, während sich Sissi um den Gartentransportkorb kümmert. Gegen 22h00 flugs die Hunderln geschnappt und zum Ausleeren in den Park geführt, und danach marsch ins Bett, morgen heißt´s zeitig aufstehen.

Tatsächlich schaffen wir es schier mühelos, am nächsten Morgen um ¾ 9 das Haus zu verlassen. Das uns zur Verfügung gestellte knallgelbe Leihauto wird von Emma & Jago widerspruchslos akzeptiert, beide springen ohne zu zögern hinein und legen sich hin. Sissi wird mit ihnen die große Laaerwald-Runde gehen, nachdem sie mich abgeliefert hat.

Fast pünktlich kurz nach neun salutiere ich in Station 18I auf und platze in die übliche Morgenhektik hinein; ich möge doch Platz nehmen, es wird ein bisschen dauern. Schon etwas nach zehn ist die Morgenroutine erledigt (Blutprobe, Harnprobe, Blutdruck, Puls, Gewicht, Temperatur, Stuhl gehabt, ja, danke, reichlich, Ölwechsel, Batterie kontrollieren etc.), was halt so alles anfällt. Anschließend darf ich tun, was ich mittlerweile gut gelernt habe: warten. Zufällig ist mein Exzimmergenosse Rudi D. auch da, der kann auch ganz gut warten, allerdings nicht auf ein Bett, sondern auf Professor Sperr. Mit allen fünf Chemo-Durchgängen ist er schon fertig, er müsse aber ab Ende Juni eine Spritzentherapie machen, die die Rückfallwahrscheinlichkeit hintan halten soll, die bei etwa 45% liegt. Daneben habe er noch ein paar Fragen, deren rückhaltlose Beantwortung er sich erhofft und erwartet. Den Herrn Professor gibt es früher als ein Bett, also wünschen wir einander alles Gute und verabschieden uns, nicht ohne Handkuss an die Damen Gemahlinnen.

Es finden sich zum Glück griffbereit  Kurier, Österreich, Heute, Profil, Trend, News, der Wochenspeiseplan (bitte ordentlich ausfüllen, weil sonst….), die Heilige Bibel, Mein Kampf und sonstiges Gedrucktes, es wird mir also nicht fad werden. Um 12h00 wird eine Kräuternockerlsuppe  und ein Wiener Schnitzel (ausgekühlt, aber doch geschmacklos) samt Erdäpfelsalat serviert, und danach wird es wohl soweit sein. Eine nette, mir bereits bekannte Schwester überreicht mir ein mir ebenfalls schon bekanntes Blatt Papier, nämlich die Überweisung zum Lungenröntgen auf Station 7I. Ob ich wohl freundlicher Weise einen anderen, neuen Patienten mitnehmen würde, der sich im Haus noch nicht auskennt; außerdem spricht er nur Arabisch und Französisch. Freundlich wie ich bin nehme ich den Mann mit und packe mein rudimentäres Französisch aus, das interessanter Weise nicht verstanden wird; wahrscheinlich ist meine Aussprache nicht ok. Mit Arabisch kann ich nicht dienen, also bemühen wir eine internationalen Gebärden- und Zeichensprache, und das Vorhaben gelingt. Wir liefern beide unsere einwändigen Brustbilder ab und kehren nach 18I zurück.

Leider müsse ich mich, sagt die Schwester, noch gedulden; in dem für mich vorgesehenen Bett liege noch ein Herr M., und der müsse überraschend eine Transfusion kriegen, es wird also noch gut ein bis zwei Stunden dauern. Also weiter Patientia, Herr Patient, Geduld bringt Rosen.

Fortsetzung folgt   

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