Leukämie ist Scheiße! Teil 7

„I’ll Be Home“ (The Flamingos 1955, Pat Boone 1956)

Ab 25.1. bekomme ich Heimaturlaub und muss erst am 3.2. wiederkommen. Dies gilt als Entlassung samt dem dazugehörenden Schreibkram, nämlich Arztbrief und Aufenthaltsbestätigung. Erfahrungsgemäß dauert das seine Zeit, obwohl ich die frohe Botschaft schon bei der Visite vernommen habe. Die beste Sissi von allen wird daher erst gegen 15:00 Uhr aufkreuzen, da bleibt genug Gelegenheit, meine paar Habseligkeiten in die Tasche zu packen.

Noch vor der Ankunft zu Hause ziehe ich mir Gummihandschuhe an, wohl wissend, dass mich Emma gebührend enthusiastisch empfängt, während sich Jago zunächst vornehm zurückhalten wird. Genau so geschieht es – Emma ist völlig aus dem Häuschen, springt herum wie ein tobsüchtiger Maniake und schleckt meine Hände in Grund und Boden, bevor sie bemerkt, dass das nicht meine Haut sein kann, die sie da bearbeitet. Enttäuscht und ratlos steht sie da und kennt sich nicht aus. Immerhin – wer macht sich schon gerne auf einer Latexhaut mit der Zunge wichtig? Jago hat sich erwartungsgemäß in der Distanz gehalten. Nicht so sehr aus Noblesse, sondern weil er sich wieder einmal dringend fürchten muss, weiß der Geier, vor was – mich wird er ja hoffentlich erkannt haben. Erst als sich Emma auf Kommando in ihr Körberl verzieht, darf ich mich nähern und er springt sogar an mir hoch.
Ordnungsliebend wie ich bin, bringe ich den Tascheninhalt zur Gänze an Ort und Stelle und muss mir alsbald Sissis berechtigte Frage gefallen lassen, wo sich denn der Sinn dieser Aktion befindet, wo ich doch das alles in ein paar Tagen genauso wieder einpacken muss. Ok, fällt unter leere Kilometer.
Mittlerweile ist es Abend geworden und ich verzehre genüsslich Kümmelbraten und Bergsteigerwurst, fürsorglich von Sissi eingekauft. Dazu gibt es Ingwertee, weil der das beste Mittel gegen Erkältung ist. Mit Zitrone und Honig verfeinert, ist er sogar tadellos genießbar.
Später geben wir uns dem dolce far niente hin und schauen uns die DVD „The Dust Bowl“ gemeinsam an. Eine mehrstündige Dokumentation über Sand- und Staubstürme im ersten Drittel des vorigen Jahrhunderts in großen Gebieten von Oklahoma, Texas und New Mexico, die zum Gutteil verantwortungsloser landwirtschaftlicher Misswirtschaft zu verdanken waren. Viele Menschen flohen nach Kalifornien; Überreste gestrandeter Autos kann man heute noch an der Route 66 sehen.
Danach gehe ich die beiden Hunde ausleeren, damit wir ruhigen Nachtschlaf genießen können. Der allerdings dauert erst einmal nur bis fünf Uhr früh, weil Jago vor der Schlafzimmertür steht und uns aus unersichtlichem Grund mit lautem Gebell ruft. Grantig stehe ich auf, scheuche den blöden Hund auf seinen Platz, schließe alle Zugänge hermetisch ab und schlafe bis 10:30 Uhr weiter. Die Emma hat sich um das alles nicht gekümmert und ihr Schlafpensum getreulich absolviert, bis sie draufkommt, Hunger zu haben und vorwurfsvoll zu ihrer leeren Futterschüssel trottet.

Der Freitag dient vorerst der Entsorgung des noch immer im Wohnzimmer befindlichen Weihnachtsbaumes. Der lässt mittlerweile die Äste traurig herunterhängen. Sissi wollte, dass ich ihn noch einmal sehe. Am Nachmittag langer Spaziergang in der Praterau mit Familie, auch unsere Jüngste, die kleine Mona ist dabei – die größte Freude, die wir unseren Hunden machen können. Gefahrlos können sie von der Leine gelassen werden, um wie verrückt umherzurennen.
Samstags fahren wir in unseren Garten. Erstens um ein paar Sachen hinzubringen und zweitens um nachzusehen, ob eh alles in Ordnung ist. Regina und Allard kommen mit und wir spazieren gemütlich durch die Gartenanlage und den Laaer Wald. Wieder dürfen die Hunde nach Herzenslust herumtollen und sind sichtlich zufrieden, obwohl es an diesem Tag gleich um 10 Grad kälter ist als zuletzt. Am Abend bin ich ziemlich müde, hocke mich mit Sissi vor den Fernseher und gehe bald schlafen.
Am Sonntag große Familienjause im Hause Simon. Urgroßvater-Großvater-Schwiegervater-Vater Norbert ist da, mit seiner Gefährtin Lena, Regina und Allard, Norbert und Petra mit Baby Mona, die naturgemäß der Mittelpunkt des Interesses Aller ist. Leider ist sie nicht allzu gut drauf und freut sich nicht wirklich, von Hand zu Hand gereicht zu werden. Jago und Emma nehmen kaum Notiz vom neuen Rudelmitglied. Mit Schmankerln können die Beiden leicht zufriedengestellt werden.
Den letzten Tag meines Heimaturlaubes wird weitgehend gefaulenzt und wir schauen uns am Nachmittag weitere DVDs an. Diesmal über die großartige Dokumentation auf 3 DVDs über die Prohibition in den USA, nicht gerade eine glorreiche Epoche dieser Großmacht.
Einige Sachen sind schon gepackt, denn am nächsten Tag um 10h00 soll ich wieder im AKH aufsalutieren.

Und hier ist der oben erwähnte Titel zu hören:

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4 Kommentare

  1. So sehr nett geschrieben Werner, man fühlt alles so mit und kann sich alles gut vorstellen wie´s abläuft … eine gute und erfolgbringende Zeit wünschen wir dir mit den besten Grüssen – Irene + Leo

  2. Ich lese auch immer mit ………… sag bewusst nicht (gerne), denn lieber würde ich über durchgefeierte Nächte mit tollen Künstlern, etc. von EUCH BEIDEN gemeinsam lesen. ………… aber das kommt schon mal wieder. Alles Gute wünsche ich Werner. Elfi Meyer

  3. Lieber Werner !
    Elli und Erich wünschen Dir baldige Besserung !
    Nach einem Tief kommt ein Hoch !
    Ich habe auch schon eine Krebssache hinter mir.
    Wichtig ist, positiv denken. Gruß an Deine Familie.
    Toi,Toi,Toi Erich und Elli

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