Leukämie ist Scheiße! Teil 65

… liegend, sitzend oder stehend?

Grundsätzlich pflege ich ärztlichen Anordnungen widerspruchslos nachzukommen, höchstens hinterfrage ich deren Sinn und Zweck. Selbst dies ist vielfach unnötig, weil sich die Maßnahmen wiederholen. Die letzte Einheit Vidaza war mir erlassen worden, das sei therapeutisch ohne Bedeutung, mir aber jedenfalls recht.

Zunächst war die Sinnhaftigkeit sowohl einer Gastroskopie als auch eines Lungenröntgens vom Oberarzt bestätigt worden, ersteres aber wieder verworfen; die Lungendurchleuchtung wollte er mir aber nicht ersparen. Dass ich ein einziges Mal eine Sauerstoffsättigung von nur 92% gehabt hatte reichte für diese Maßnahme. Wenigstens das Fasten hatte somit ein Ende…

Am späteren Dienstagnachmittag, 21.November erschien ein Träger, versicherte sich meiner Identität, schnappte mich samt meinem Bett und teilte mir mit, ich würde jetzt nach Ebene sechs zum Lungenröntgen gebracht. Mein Einwand, ein Rollstuhl wäre ausreichend, blieb ungehört und unbeantwortet; der Bettentransport sei von den Schwestern angeordnet, mehr wisse er nicht. Die Frage, ob denn ein Röntgen im Liegen dem im Stehen fallweise vorzuziehen sei, stellte ich erst gar nicht, es wäre keine Antwort zu erwarten gewesen. Leider war weder im Zimmer noch auf dem Gang eine Schwester zu sehen, die ich hätte fragen können, also ging es hurtig voran. Bis zum Ziel schaute ich mir wieder den Plafond von unten an. Aha, viele LEDs, eine positive weil wirtschaftliche Maßnahme.
Vor der Tür zum Röntgenzimmer ließ er mich stehen und empfahl sich mit den besten Wünschen.

Bald erschien eine Schwester, stellte meine Identität fest und verschwand wieder, ehe ich meine Frage zu Ende stellen konnte. Nein, sie wisse nix, ich möge die durchführende Schwester fragen. Lange musste ich mich nicht gedulden, prompt schickte man sich an, mich durch die strategische Tür zu schieben. Warum ich denn im Bett gebracht wurde, blieb wieder ohne befriedigende Antwort – erstens sei es den Trägern so lieber, und zweitens gäbe es keine verfügbaren Rollstühle. Just zu diesem Zeitpunkt wurden zwei weitere Patienten gebracht, beide in Rollstühlen sitzend. Aha!

Beim Gerät angelangt zeigte sich die Schwester erfreut, dass ich stehen könne, das sei viel besser als im Liegen. Die Kinnauflage war für mich zu hoch eingestellt und nicht einmal auf Zehenspitzen voll erreichbar. Das sei schon ok so, und sogleich hörte ich die Signale „tief einatmen“, nicht atmen, „weiter atmen“. Bei „nicht atmen“ schwindelte ich ein bisschen, den Bruchteil einer Sekunde zu früh musste ich nach Luft schnappen.

Dies wurde natürlich von einer der fünf hinter einem Glasfenster stehenden Personen bemerkt, spiele aber für das Ergebnis keine Rolle. Nach einer Linksdrehung und Durchleuchtung von links war das Prozedere auch schon beendet, ich wurde wieder auf  mein Bett verfrachtet und mit den besten Wünschen vor die Tür geschoben um auf den Rücktransport zu warten. Die Frage, ob es denn irgendeinen Vorteil für ein Röntgen im Liegen statt im Stehen gibt, war für mich beantwortet: es gibt keinen.

Bei der Heimfahrt nach 21 K konnte ich es mir nicht verkneifen, den Träger zu fragen, ob er den Transport im Bett dem im Rollstuhl vorziehe? Nein, war die Antwort, es sei ihm völlig egal, er tue immer, was angeordnet sei.

 

Im Zimmer angelangt, fand ich einen leeren Spind, ein leeres Nachtkästchen und einen leeren Beistelltisch vor; außer mir ist niemand anwesend. Völlig perplex dauerte es ein paar Sekunden, bis ich läutete. Ja, ich sei verlegt worden, wurde ich lakonisch beauskunftet, man habe lediglich versäumt, mir das schon eher mitzuteilen. Na gut, denke ich mir, Zimmer zwei oder vier, was spielt denn das groß für eine Rolle?
Ein cholerischer Nörgler hätte sich vielleicht aufgepudelt, nicht aber ein lethargischer Sanguiniker wie ich…

2 Kommentare

  1. Lieber Werner! Du hast wieder sehr anschaulich geschrieben. Es ist unglaublich was du so alles erlebst. Hast du vom Cowboy noch einmal etwas gehört und was ist aus der alten Frau, die im AKH „lebt“ geworden? Aber das Wichtigste ist, was hat das Lungenröntgen ergeben? War die Gastro schon? Ich hoffe, dass ich nicht zu neugierig bin. Jedenfalls alles, alles Gute. Ich freue mich immer schon auf deinen Bericht. Danke liebe Sissi für’s fleißig Tun. Ganz liebe Grüße Babsi

    1. Hallo Babsi! Der Cowboy war ein paar Tage lang mein Zimmerkamerad, übrigens ein freundlicher, hilfsbereiter Mann, der leider nicht gut deutsch spricht. Die alte Dame mit dem Koffer vermisse ich seit Wochen, hoffentlich kümmert sich jemand um sie, oder sie braucht leider keine Hilfe mehr – im letzteren Fall r.i.p! Das Lungenröntgen hat so wie alle davor glücklicher Weise nichts ergeben, die Gastro ist abgesagt worden – es wäre bereits die dritte innerhalb kurzer Zeit gewesen. Nein, du bist nicht zu neugierig – im Gegenteil, ich freue mich wenn du nachfragst! Übrigens: Vor ein paar Wochen, als es mir besser ging, wäre ich beinahe in Peters Pub gelandet! Mit Norbert-Opa war ich bei der Fußpflege, und die ist gleich nebenan. Während er an der Reihe war, wollte ich auf einen Kaffee gehen, weil es draußen recht frisch war. Leider war es drei Uhr, und er sperrt erst um vier auf. Ohne die beste Sissi von allen wäre das Layout meiner Geschichten nicht ok und nicht so hübsch mit Bildern ausgestattet.
      Liebe Grüße Werner

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