Leukämie ist Scheiße! Teil 50

Zwischendurch recht gute Tage…

Zur Feier der glücklichen Wiederkehr Sissis gibt’s am 3.Juli zu Mittag Schnitzel und gebackenen Käse (wer’s mog). Am Abend gesellt sich Regina dazu, um 19h00 erscheint auch Malta-Heimkehrer Allard. Das lustige Wegräumen aller wild herumliegender Gegenstände ging ohne meine Beteiligung von statten, auch meine guten Ratschläge oder Kommentare waren nicht gefragt.

Während ich mir am 4.Juli eine Ladung Thrombos abhole, beschäftigt sich die beste Sissi von allen mit familiären Dispositionen – Norbert-Opas Lena ist heimgefahren, also ist er von uns zu verpflegen/unterhalten; Regina und Allard sind im Büro und stehen als Hundeflüsterer nicht zur Verfügung, was Emma und Jago zur dringenden Bitte veranlasst, mich Gassi führen zu wollen.

Erik reklamiert seit längerem eine Grillage, grillt aber selber im Hard Rock Cafe – Sissis Organisationstalent bringt wie immer alles unter einen Hut: Norbert-Opa wird sich am Mittwoch im Schutzhaus Heustadelwasser selbst versorgen („…jo, i glaub, dort war i eh scho“) und wird somit auf den Donnerstag verschoben. In der Zwischenzeit hat Sissis Zweitgeborener Bernhard angerufen und wird auch am zum Grill kommen, womit wir zu viert sein werden.

Donnerstag, 6.Juli mittags hole ich Norbert-Opa von zu Hause ab, Sissi heizt in der Zwischenzeit die Kohlen an und bereitet alles vor, wie immer gelingt alles bestens.
Der rastlose Bernhard verabschiedet sich bald, ordentlich gesättigt, der Rest der Anwesenden begibt sich bis zum Kaffee in die Mittagsruhe. Bald danach fahre ich Sissis Papa heim und habe danach noch ein paar Kleinigkeiten zu besorgen.

Der Rest der Woche verläuft angenehm ruhig, erst am Sonntag, 9.Juli, bestätigt mir mein Puls mit 110, dass es mir eigentlich nicht besonders gut geht. Mein Schwächeanfall am Montag bestätigt dies interessanter Weise nicht, das Blutbild zeigt Erythrozyten 7,8 und Thrombozyten 9, also gar nicht so schlecht. Lediglich mein Puls bleibt vorerst über hundert, was ich auch ordentlich zu verspüren bekomme….

Der Dienstag ist der Erholung gewidmet, die zum Glück wieder einmal hurtig voranschreitet. Der seit langem geplante Konzertabend mit Meena Cryle und der Christ Fillmore Band im Spittelberg-Theater nimmt konkrete Formen an – ich hätte es sehr bedauert, nicht dabei sein zu können.
Glücklicher Weise bin ich am 12.Juli recht gut beisammen, also auf zum Spittelberg!
Das Theater ist gut besucht, aber nicht restlos ausverkauft. Wie immer schütteln wir einige uns bekannte Hände, schnell noch ein Sommerspritzer für Sissi, ein opulentes Paar Sacherwürstl für mich, und es kann losgehen. Meena und Chris lassen sich nicht lumpen und haben die volle Besetzung mitgebracht. Berndi Egger grimassiert fröhlich hinter seinem Slingerland Drum-Kit, trommelt mit großartiger Kreativität. Zusammen mit  Jojo Lackner am E-Bass entsteht unglaublich exakter Rhythmus, Groove und Drive. „Ganzkörperpianist“ Roland Guggenbichler ist am Klavier und ausgiebig auch am Akkordeon zu hören; ein Stück im Zydeco-Stil entführt uns kurzfristig nach Louisiana. Carl Kaye sitzt hinter der Pedal-Steel Gitarre und setzt heftig akklamierte Akzente (nein, er stammt nicht aus Texas, sondern aus dem Ersten Wiener Gemeindebezirk!).
Meena und Chris rufen wie selbstverständlich auch an diesem Abend wieder Spitzenqualität ab; in der erfreulich intimen Atmosphäre des Spittelberg-Theaters scheinen sie sich besonders wohl zu fühlen. Ihre besondere Verbundenheit mit dem Publikum wird in einer bemerkenswerten Aktion deutlich: ein uns nicht bekannter Gast darf seiner Freundin auf der Bühne einen Heiratsantrag zu den Klängen von Springsteen’s „I’m On Fire“ machen, bei dem sich die künftigen Brautleute kennengelernt hatten. Applaus brandet auf, das Lied wird angestimmt, alle sind happy…

12.7.2017 – Spittelberg Theater
Fotos: Dietmar Lipkovich

Unweit von unserem Garten befindet sich die sogenannte Heimkehrer-Siedlung – seinerzeit eine Ansammlung kleiner Häuser samt Gärtchen, die entlassenen Kriegsgefangenen zur Verfügung gestellt wurden. In der Siedlung gibt es auch ein Gasthaus, das damals als „Schutzhaus“ eröffnet worden war, danach ziemlich herunter gewirtschaftet wurde, bis es vor wenigen Jahren neu übernommen wurde, zufällig von jemandem, der uns als Bluesliebhaber bekannt war.
Weil ich mich den ganzen Mittwoch lang gut regeneriert hatte und Musik immer gut tut, stimmte ich Sissi zu, am Donnerstag, 14.Juli, Hannes Kasehs zu besuchen, der mit seinem Trio – Sista Christa am Bass, Christian Kurz am Schlagzeug – dortselbst einen Auftritt hatte. Alle schienen sich wirklich über unser Kommen zu freuen, die Begrüßung war äußerst herzlich.
Wir hörten Bekanntes und weniger gut Bekanntes, insgesamt ein gelungenes Programm. Besondere Erwähnung verdient ein R&B-Stück im New Orleans Stil, „ein Versuch“, wie Hannes ankündigte. Ich hatte nicht gewusst, dass Christian das genretypische Spiel kennt und auch kann; sein Second-Line-Drumming mit Wirbeln, Stops und Breaks war mehr als eine Talentprobe. Chapeau!

Just am selben Tag hatte mich vormittags leider die Nachricht vom Tod der Tochter meines langjährigen Kollegen und Freundes Herbert Grell erreicht und mich sehr betroffen zurückgelassen. Obwohl ich Verena erst kurz vor ihrem Ableben im AKH persönlich kennengelernt hatte, fühlte ich mich mit ihr sehr verbunden, hatten ihr Vater und ich doch immer wieder Erfahrungen über unseren zum Teil problembehafteten Nachwuchs ausgetauscht.

Die E-Mail war so verfasst, als hätte Verena sie selbst geschrieben: „… am Sonntag, 9.7.17 verlor ich den Kampf gegen den Krebs, den ich Schildkröte nannte, da er mir einen Buckel machte“.  „…Sollten wir uns im Jenseits wieder treffen, bring bitte gute Musik mit… Verena“.

Tatsächlich hatte die Arme eine seltene Art von Krebs, der sich zunächst mit einem großen Tumor auf dem Rücken meldete, in der Folge die Organe angriff und in letzter Konsequenz zum Ersticken geführt hätte. Alle Rettungsversuche in der Intensivstation waren vergebens, hinterher in der Palliativabteilung konnte man nur noch mit starken Medikamenten den qualvollen Erstickungstod hintanhalten – Verena durfte ruhig hinüberschlafen. Möge sie den Frieden finden, der ihr im Leben versagt blieb.
Gute Musik werde ich jedenfalls auch im Jenseits im Gepäck haben….

Leider war ich am folgenden Tag nicht in guter Verfassung – vielleicht waren zwei Konzerte in einer Woche doch zu viel? Ich werde berichten…

 

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