Leukämie ist Scheiße! Teil 49

Tage eines Strohwitwers…

Die letzten Tage vor dem „Weiberurlaub“ der besten Sissi von allen zusammen mit unserer Tochter Regina waren von einer gewissen Hektik geprägt. Vieles Mitzunehmende befand sich im Garten, manch anderes in der Wohnung, wieder anderes musste erst eingekauft werden. Es wurden Listen geschrieben, korrigiert, ergänzt, weggeschmissen und neu verfasst…
Regina tat sich leichter – erstens weil ihr noch die Unbeschwertheit der Jugend innewohnt, zweitens weil sie bis zum letzten Tag ins Büro musste und drittens weil sich das meiste eben auf Sissis Liste befand und für sie selbst nur eine relativ geringe Belastung darstellte.

Rückwirkend frage ich mich, wie es uns anno 2015 gelungen ist, das Gepäck für unsere vielwöchige Route 66 Reise zusammen zu bringen, wo doch dieses Mal nichts als nur ein paar Tage Kroatien einpackmäßig zu bewältigen war. Es versteht sich von selbst, dass mir vor der Abreise noch nach Prioritäten gereihte Erledigungen aufgetragen wurden (Sissi) bzw. ich aufgefordert wurde, mich lieber dem dolce far niente hinzugeben (Regina). Wie die Tage bis zur Rückkehr der Damen verlaufen sind, schreibe ich nicht detailliert nieder, weil so rasend spannend waren sie wirklich nicht.

Die ganze Zeit über wohnte ich im Garten. Am Sonntag Mittagessen mit dem zu betreuenden Norbert-Opa im Schutzhaus Heustadelwasser; für den Dienstag war seine Gefährtin Lena angesagt, die dankenswerter Weise bis zum darauffolgenden Sonntag bleiben würde. Hoffentlich hält sie durch mit ihren mittlerweile über 80 Jahren!

Mit den Hundsis half Erik, Reginas Allard war nicht zur Verfügung, weil drei Tage geschäftlich in Zürich, danach mit Freunden bis Sonntag auf Malta. Bis Mittwoch hatte ich im AKH zu tun – Vidaza Montag und Dienstag, Thrombos und Erys eingefüllt am Mittwoch, alles bei strahlendem Sommerwetter, das bald nicht nur in Wien schlechter werden sollte, sondern leider auch auf dem  Campingplatz auf Krk, auf dem sich Sissi und Regina einquartiert hatten.

Schon lange bevor sich die „Weiberreise“ auch nur im Stadium der Planung befand, hatte mir die beste Sissi von allen ein Bluesquartett aus Kärnten dringend empfohlen, das die Zweite Brucker Blues Challenge im April 2016 gewonnen hatte. Als Jurorin hatte auch sie diese Band mit Namen „JAM TRAX“ auf den ersten Platz gereiht, so wie auch Hermann Posch und etliche andere lokale Sachverständige. Mit Sigi Hatberger, dem Bassisten der Band, ist sie seit langem über Facebook befreundet, auch die anderen Musiker seien sehr nette Burschen. Ein paar Sachen hatte sie mir im Internet vorgespielt und meine Neugier geweckt.

Also hinein am 24.Juni in mein „Leihauto“, Norbert-Opas kleinen, alten Citroen C3 (mit Schaltgetriebe, so a Schas!) und auf zum 9. Brucker Bluesfestival, das zum ersten Mal nicht in der für den Verkehr gesperrten Wienergasse stattfand, sondern im „Barockgarten“ des Gasthauses“ Zur Linde“.
Trotz nicht vorhandenem Navi, das ja samt unserem Auto in Kroatien war, fand ich erstaunlicherweise den Veranstaltungsort auf Anhieb, entgegen meines bekannt minderen Orientierungssinns. Sogar einen nahe gelegenen gebührenfreien Parkplatz entdeckte ich bald und strebte forschen Schrittes dem reich beschilderten Barockgarten zu. Tatsächlich befand ich mich auf der Gästeliste und stieß bald auf den Veranstalterkollegen Wolfgang Stinauer, der sich über mein Erscheinen wirklich zu freuen schien. Am Tisch direkt vor der Bühne traf ich BLUESimon Stammgäste, u.a. das Ehepaar Dusek, Gustl Breitsprecher und unseren deutschen Freund Bernd, bald auch Martina „Harpina“ samt  ihrem Josh; einige weitere Gesichter kamen mir bekannt vor, wie so oft konnte ich dieselben nicht zuordnen, grüßte aber dennoch artig…

Die „Greyhound Gang“ hatte das Konzert eröffnet und war schon im Finale – Chicagoblues an der Grenze zum Bluesrock (oder umgekehrt), Michael Amon schwitzend hinter seinem Drumkit, Andi Bauer an Gitarre, Mundharmonika und Stimme, insgesamt recht ordentlich. Allerdings: wieso bitte drei Gitarren, wieso kein Klavier? Naja, die fünf Herren werden’s schon wissen.

Für die folgende Pause hatte ich mich auf eine Bratwurst oder ein Stückl Kümmelbraten mental vorbereitet, wurde aber als Käseverweigerer herb enttäuscht, weil es gab nur Käsekrainer oder einige Aufstriche, nein danke!

Bald erklommen Jam TraX die Bühne und spielten eine von vielen Eigenkompositionen, die sich demnächst auch auf einer CD befinden soll. Sänger Erhard Fian, eine stattliche Erscheinung, begrüßte das Publikum und brachte seine Freude zum Ausdruck, wieder in Bruck spielen zu dürfen. Es folgten viele weitere Stücke, alle im Prinzip Bluesrock; das Publikum scheint sehr zufrieden zu sein, ich persönlich weniger. Ein getragen beginnendes Stück ist mir erinnerlich, das leicht zu einer Louisiana-Schnulze hätte werden können, was aber mittels jaulender Gitarre und heftiger Lautstärke verhindert wurde. Etwa in der Mitte des Programms sagt Fian Lieder an, die „älter sind als sie selbst“ sind und stimmt den „Hoochie Coochie Man“ an; als danach der Blues über die tauchende Ente folgt habe ich genug und schalte für den Rest ein Ohr ab.

Schon vor der Pause war Peter Kern an unserem Tisch erschienen, hatte Autogramme gegeben und auch mich nett begrüßt. Freundlicherweise verriet ich ihm nicht, dass mein heutiger Konzertbesuch eigentlich nicht ihm galt. Auf Grund früherer Erfahrungen hatte ich beinharten Bluesrock erwartet und beschlossen, seinem Auftritt drei Chancen zu geben und mich dann im Falle von Minderbegeisterung vorzeitig zu empfehlen.

Ich sollte mich schwer getäuscht haben: Peter begann mit B.B.King und danach „Shake, Rattle & Roll“ (naja, ein Shouter wie Big Joe Turner ist er nicht), aber beides toll präsentiert und durchaus erfreulich. Des Weiteren wurden Jimmy Reed und andere seiner Vorbilder gespielt, nicht alle ex Chicago Blues. Schlagzeuger Kurt van Taff saß eher gelangweilt hinter seinen Trommeln, er fühlt im Bluesrock offenbar wohler; die beiden anderen Mitstreiter Christoph Huber (g, vcl) und Gregor Streng (b) spielen sehr ordentlich mit, der Bassist mit Groove, der Gitarrist darf sogar ein paar Mal solieren und macht das erfreulich gut – auch der Chef dürfte zufrieden gewesen sein.

Es war in der Zwischenzeit spät geworden, obwohl etwas müde hatte ich, gegen meinen Plan, Peter Kern fast bis zum Ende zugehört, der ohne es zu wissen für mich zum Highlight des Abends geworden war.

Ich verabschiedete mich also ziemlich abrupt und traf im Weggehen noch Sieghart „Sigi“ Hatberger, den zu be/grüßen ich von Sissi beauftragt war – er scheint sich gefreut zu haben, den Ehemann seiner Facebook-Freundin kennengelernt zu haben…           

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