Leukämie ist Scheiße! Teil 20

„Dejá vu“

Als ich vor ein paar Tagen einen Anruf meines AKH Zimmerkameraden Rudi erhielt, bei dem er mich darüber in Kenntnis setzte, dass er wegen eines Rückfalls wieder stationär in Station 18i aufgenommen wurde, beschlich mich ein ungutes Gefühl, absolvierte er doch die selbe Immuntherapie wie ich. In einem persönlichen Gespräch mit ihm erzählte er mir, die Krankheit sei zurückgekehrt und in der Folge sei eine Knochenmarktransplantation mit all ihren Unwägbarkeiten unabdingbar. Dennoch erschien er ruhig und gelassen; sogar das zwischen uns übliche Schmähführen blieb nicht aus.

Am selben Tag wurde mir mitgeteilt, eine weitere Beckenbodenbiopsie sei erforderlich, man wolle sich mein Knochenmark noch einmal genau ansehen. Dies machte mich stutzig, waren doch alle vorangegangenen Untersuchungen negativ, bei allen vier Proben war ein Blastenanteil von 4% festgestellt, also unter der kritischen Marke 5%. Mein ungutes Gefühl wurde trotzdem stärker und sollte mich nicht getäuscht haben. Der Wert liege jetzt bei 6-7%, unter dem Mikroskop noch weit darüber. Ein Rückfall? Nein, eher die Fortsetzung dessen, was schon im Dezember zur Aufnahme im AKH geführt hatte. Die schlimmen Zellen in meinem Blut waren zwar durch die Chemotherapie vernichtet worden, allerdings nicht nachhaltig, es bildeten sich wieder neue.

Im folgenden Gespräch mit Frau Professor Gleixner musste ich diesen Sachverhalt zur Kenntnis nehmen, der mich wie ein Hammerschlag traf. Es gebe, so wurde mir mitgeteilt, in der Situation drei Möglichkeiten. Erstens die Wiederholung der Prozedur des ersten Halbjahres, also neuerlich stationärer Aufenthalt mit starker Chemotherapie mit allen, vielleicht noch heftigeren Konsequenzen, wieder mit Vernichtung der malignen Zellen, aber wieder ohne jede Garantie auf nachhaltigen Erfolg. Zweitens eine „leichtere“ Chemotherapie, die man in der Tagesklinik oder vielleicht sogar ambulant  einwirken lassen kann, mit geringeren Auswirkungen auf den Gesamtorganismus, aber mit nur geringer Chance auf Heilung; regelmäßige Kontrolle würde mir jedenfalls nicht erspart bleiben. Meine persönliche Lebensqualität würde bei dieser Variante  weitgehend erhalten bleiben. Die Auswirkungen auf die mir nächst- und nahestehenden Menschen wären überschaubar und wenig merklich. Diese Variante wurde mir von der Ärztin auch empfohlen.

Möglichkeit drei wäre Passivität, also nichts unternehmen. Mit Medikamenten, Antibiotika, Bluttransfusionen etc. könne man mich zwar „am Leben erhalten“, die Gesamtsituation würde sich aber verschlechtern.

So schauts aus. Nicht gerade erfrischend, die Perspektiven. Nach Rücksprache mit meiner Familie werde ich mich für Variante zwei entscheiden, dies am kommenden Mittwoch zur Kenntnis bringen und weitere Details hinterfragen, sofern diese in der momentanen Situation überhaupt beantwortbar sind.

Leider kein Humor in dieser Geschichte. Ein kleines Bonmotscherl ist mir eingefallen:
Der allgemein gut bekannte Song „The Lady is a Tramp“ heißt neuerdings „The Prexy is a Trump“.   

 

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