Jago und der Silvesterhorror

Neulich war ich beim Tierarzt ohne Jago, der entspannt in Eriks Zimmer schlief und vor sich hin schnarchte (oder grunzte). Regina wollte das eigentlich gemeinsam mit mir und Jago erledigen, aber es fand sich kein Termin, und so übernahm ich das gerne.
Entgegen meinen Gewohnheiten war ich eine halbe Stunde zu früh, hatte aber das Glück, dass der Tierdoktor schon zugegen war und gerade Trink- und Essbares aus seinem Auto in die Ordination schleppte – für die Weihnachtsfeier, wie er sagte. Natürlich machte ich mich sofort erbötig zu helfen, was gerne angenommen wurde; als Gegenleistung durfte ich seine Dienste außerhalb der Öffnungszeit in Anspruch nehmen. Weil er mich noch aus der Zeit mit unserem Kater Theo kennt, und auch den Jago schon behandelt hat, ersparte er sich den Hinweis, dass er Menschen nicht verarzten dürfe.

Was aber war der Grund für meinen Besuch? Es war der Silvesterknallereiterror, der fast alle Tiere
– außer die bedauernswerten Gehörlosen – zur Verzweiflung bringt und heftige Panikattacken bis hin zur unorganisierten Flucht auslöst. Angeregt durch viele einschlägige Artikel in diversen Gazetten, sogar in kompetent wirkenden, insistierte Regina, dem armen Jago ins neue Jahr zu helfen. Traditionell fangen die gehirnamputierten Knaller schon vor dem 31.Dezember mit ihrem schwachsinnigen Treiben an, so dass es im Vorjahr schwierig war, den Jago zum Gassi gehen zu bewegen. Am 30.12. war es schon ein großes Problem, am 31. praktisch unmöglich. Am 1.1. um zwei Uhr nächtens startete ich den ersten Versuch mit ihm, das Haus zu verlassen, aber die Knallerei hatte noch nicht aufgehört und wir schafften gerade noch etwa 100 Meter.
Erst nach drei gelang es, mit ihm bis zum Draschepark vorzudringen, wo er eiligst seine Geschäfte hinter sich brachte und mich anschließend sofort in Richtung Heimat zog.
Die Frage, wie es ein Hund fast 24 Stunden lang aushält, ohne den Erfordernissen des Stoffwechsels Rechnung zu tragen, ist bis heute ungeklärt. In der Wohnung haben wir jedenfalls keine Spuren gefunden, obwohl Regina und auch die beste Sissi von allen über empfindliche Geruchsorgane verfügen.

Der Tierarzt kennt natürlich die Problematik, ist aber nicht der Meinung, schon bis zu drei Wochen vor dem Tag X sei eine medikamentöse Tranquilierungsaktion erforderlich, ein paar Tage vor dem 31. seien sinnvoll. Er hinterfragte das Gewicht unseres Jago (etwa 10,20 kg) und ob er ein Angsthund sei (ja, natürlich, und wie!) und händigte mir anschließend zwei verschiedene Medikamente aus.
„Das eine“, sagte er, „wirkt beruhigend etwa wie Baldrian, das andere ist lei (er ist Kärntner) schon a schwere Bombe, wirkt sedierend und es kann sein, dass der Hund lei scho a bissl damisch werd“.
Er erklärte mir noch den Verabreichungsnetzplan, der etwa mit meinen eigenen Vorstellungen korrespondierte, und wollte mich schon mit den besten saisonalen Wünschen zur Tür begleiten, als mir einfiel, dass mich Regina gebeten hatte, etwaige Gefahren beim Ausdrücken der Analdrüse zu erfragen („na, do konn lei nix passieren, außer du druckst so heftig, dass sie platzt, was selten bis nie vorkommt“) und auch zu fragen, ob er eventuell Würmer haben kann („na, das kommt lei sehr selten vor, außerdem würde man es beim Ansehen des Ausscheidungprodukts lei sicher sehen“).
Beruhigt zog ich von dannen, nicht ohne auch meine und meiner Familie besten Wünsche zu deponieren.
Der Netzplan steht, im Kalender steht minutiös, an welchen Tagen er was kriegen wird, hoffentlich wird er es fressen. Auf die Wirkung der Pillen und die Reaktionen Jagos bin ich schon sehr gespannt.
Jedenfalls wünschen wir ihm schon jetzt alles Gute für Jahreswechsel das neue Jahr!

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