Walking The Dog…. Teil 2

Es gilt, die nächste Hürde zu nehmen – die Schönburgstraße ist zu überqueren. Dem Befehl „halt“ kommt Jago ohne zu zögern nach. Nicht weil er mich versteht oder etwa zu folgen bereit ist, sondern weil ihm die kurz gehaltene Leine keine Alternative lässt.
Autos stellen nunmehr keine Bedrohung mehr dar, schließlich ist man ja ein mutiger Hund und kein Angsthase, oder? Der 13er Autobus ist ein Phänomen. Manch einer wird ignoriert, andere haben einen Fluchtversuch zur Folge. Liegt es an den Fahrgästen, liegt es am Fahrer, liegt es an der Geschwindigkeit? Man weiß es nicht. An der Farbe kann es nicht liegen, sind doch alle rot. Ich werde es nie erfahren, hoffentlich ändert sich das und ich kenne mich besser aus. Zweispurige Fahrzeuge sind uninteressant, nur Fahrräder werden noch immer argwöhnisch beäugt.

Die Straße ist überquert, das Beisel an der gegenüberliegenden Ecke verströmt üblen Geruch, den nimmt der Hund aber nicht wahr. Er beschnofelt ganz andere Dinge, bei denen Menschen kaum was riechen, und das ist wahrscheinlich gut so. An der nächsten Ecke ist eine Apotheke, dort wird wie immer sparsam markiert, schließlich wird das Material im Park dringender gebraucht. Bald wird die Gangart verschärft, die ausziehbare Leine bis zum Ende ausgenützt, das Grüne lockt.
Jago trabt wie ein Lipizzaner, bis der Eingang erreicht ist. Dort wird kurz innegehalten um zu schauen, welche Richtung das Herrl einschlägt. Schnell zum Behälter mit den Sackerln für die Aufnahme des Endprodukts des Stoffwechsels und dann voran, hinein in die Wiese, die sich der Jago ausgesucht hat, schließlich bin ich folgsam und außerdem ist es völlig egal, wo wir anfangen.

Jetzt bleibt die Nase fast ständig am Boden, die Leine immer voll ausgezogen, und der Hund geht seiner Wege, unergründlichen Duftspuren folgend. Mit meinen Tipps, wo er seine Markierungen setzt, liege ich fast immer falsch. Alte, dicke Bäume erregen kaum Aufmerksamkeit, schlanke hingegen läßt er niemals aus, nicht alle aber haben das Privileg des Bepinkeltwerdens.
Bei Laternenpfosten hält er es mit Karl Valentin: Mögen tät‘ ich schon wollen, aber dürfen trau‘ ich mich nicht…Kein Wunder, tragen doch alle an ihrer Spitze einen Beleuchtungskörper, und die sind bekanntlich ein ernste Bedrohung, also machen wir lieber einen großen Bogen. Am liebsten sind ihm Objekte, die kleiner sind als er selbst – heruntergefallene Äste, niedere Sträucher, zusammengekehrtes Mähgut und ähnliches erfreuen sich immer seiner Aufmerksamkeit, aber auch die werden nicht alle markiert.
Am häufigsten ist es die Wiese selbst, wo ein Bein hochgeht, oft sogar beide. Also nicht gleichzeitig, das wäre fatal und technisch kaum möglich, aber hintereinander am selben Platz. Dass nach jeder Verrichtung die markierte Stelle ausgiebig bescharrt werden muss, ist keine Eigenheit oder persönliche Note, das machen andere Hunde auch, wie ich fast enttäuscht feststelle. Dass die Scharrrichtung oft völlig danebengeht, ist dem Jago egal, selten vergisst er sogar ganz darauf.

Begegnungen mit anderen Hunden können sich höchst unterschiedlich abspielen. Artgenossen, die kleiner sind als er, sind generell wenig interessant. Kleine Kläffer mag er nicht, und mit Artgenossen, die sich respektvoll auf den Rücken schmeißen, will er nichts zu tun haben – wissen die denn nicht, dass derweil noch immer er derjenige ist, der sich fürchtet?
Für apportierende Hunde hat er kein Verständnis. Wieso haben die so eine große Reichweite? Wieso rennen die herum wie die Idioten und bringen immer wieder zurück, was Herrl oder Frauerl wegschmeißt? Nein, so was wird er niemals tun, schließlich ist er kein Retriever, und Jagdhund ist er auch keiner, auch wenn seinen Stammbaum ein Dackel ziert. Ratlos ist er, wenn sich eines der wenigen Weibchen einfach auf den Hintern setzt, weil es nicht beschnofelt werden will. Was hat denn die? Wieso führt sich die so auf? So wird die nie einen Aufriss machen!
Großen Hunden, von denen es im Draschepark nicht viele gibt, begegnet Jago zunächst völlig arg- und respektlos. Meist reagieren die gelassen, und wenn einmal einer eine drohende Haltung einnimmt oder gar bellt, so ziehen wir uns einfach zurück und verlassen den Komiker mit verächtlichem Blick, weil der ist zum Glück eh auch angeleint und kann uns nicht nachrennen.
Runde um Runde drehen wir – der Park ist nicht groß – bis der Jago beschließt, dass er genug hat und gefälligst der Heimweg anzutreten ist. Die letzten paar Markierversuche waren mangels Material erfolglos, was ihm offenbar völlig gleichgültig ist, das Bein hat gehoben zu werden. Das große Geschäft ist auch schon erledigt, das Sackerl entsorgt
(unser Kater Theo hat übrigens noch mehr gestunken), und die Richtung nach Hause ist uns beiden geläufig. Außerdem meint der gute Hund, dass dem Herrl jetzt belohnungsweise ein Kaffee zusteht…

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