Leukämie ist Scheiße! Teil 9

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Auffälligkeiten und Kuriositäten, 1. Teil

Am 15.2. gegen 9h15 auftragsgemäß wieder eingerückt scheint mir die jetzt folgende tägliche Routine langweilig und wenig berichtenswert zu sein.
Daher beschäftige ich mich in der Folge mit Auffälligkeiten und/oder Kuriositäten, zum Beispiel:

„Don`t Slam That Door“ (Snooks Eaglin, 1962)

„O que eco e que aqui ha?“ (sprich “u ke eko e ke aki a?”) heißt auf Deutsch „was ist das für ein Echo, das es hier gibt?“ und wird von den Portugiesen als Schnellsprechübung gebraucht . Ähnliches, wenn auch nicht Vergleichbares kennen wir aus der TV-Werbung („…für unerwünschte Nebenwirkungen fragen Sie Ihren Arzt oder Apotheker“). Dabei bin ich mir erstens nicht einmal sicher, ob in Portugal überhaupt irgendwo ein Echo vorkommt, aber zweitens weiß ich gewiss, dass es die TV-Werbung gibt.

Wieso ich darauf komme? Es handelt sich um die gelben Türen ins Raucherparadies, die regelmäßig zugeknallt werden, als wären Beschläge noch nicht erfunden. Das erzeugt zwar kein Echo, aber enormen Widerhall, bei dem das ganze Stiegenhaus erzittert. Natürlich kann ich gut verstehen, dass die generell mit Keimen kontaminierten Türschnallen von den zahlreichen immunsystemlosen Patienten nicht gerne mit bloßen Händen angegriffen werden. Gummihandschuhe wären ein Lösungsansatz, deren Verwendung ich aber bislang noch nicht beobachten konnte. Gut 50% des Risikos werden hintangehalten, indem die Griffe nur beim Öffnungsvorgang in die Hand genommen werden; während den Schließvorgang ein oben an den Türen befestigter, ausgeklügelter Mechanismus selbstständig übernimmt, der für vollständiges, lautstarkes Einrasten sorgt und somit für die Knallerei mitverantwortlich ist.
Der weiteren Erbauung des Gemüts dienen menschliche Geräusche aller Art. An erster Stelle das allgemeine Frühstückshusten, Zweiter wird Niesen, danach kommt Räuspern, und nicht auf das Stockerl kommen an letzter Stelle Flatulenzen. Ja, geredet wird natürlich auch, allerdings wegen der Höllerei unverständlich egal in welcher Sprache.
Auffällig ist, dass jedweder Lärm sowie die gelben Türen hinsichtlich der Verursachung von Schließlärm in den Ebenen 19 bis 21 noch mehr hergeben als in Ebene 18; vielleicht sind dort die Schließmechanismen straffer eingestellt, oder die Scharniere gehören nachjustiert. Jedenfalls gibt es dort oben überhaupt niemanden, dem die Handhabung einer Türschnalle geläufig ist. Außerdem dürfte sich der Schall lieber von oben nach unten als vice versa verbreiten.

In meiner Ebene 18 ist und bleibt es also mir allein überlassen, die Türen geräuschlos zu schließen, allen anderen scheint die Knallerei zu gefallen. Ein pädagogisches Experiment ist leider auch nicht von Erfolg gekrönt: Wenn gerade mehrere Patienten und/oder Besucher und/oder Personal das Stiegenhaus gemeinsam mit mir vernebeln, mache ich beim Weggehen die Türen ostentativ und provokativ völlig geräuschlos zu, in der Hoffnung, Nachmacher zu finden – es ist vergeblich, schon der Nächste grinst mich an und lässt die Schnalle aus – bumm!

 

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