Leukämie ist Scheiße! Teil 42

AKH-Marathon

Am 6. Mai sitzt die beste Sissi von allen wie schon im Vorjahr in der Jury der Brucker Blues Challenge; freundlicher Weise holt sie ihr Mit-Juror Hermann Posch ab, ein nettes Plauscherl bei einer gemeinsamen Jause vorher bei uns daheim ist natürlich eingeplant. Beide haben keine Freude damit, dass jede der vier antretenden Bands 40 Minuten lang spielen soll – die Hälfte oder noch weniger würde genügen, um sich ein Bild zu machen.

Zwei Tage später wird Sissi beim Neurologen ihres dementen Vaters vorstellig; unserer Meinung nach ist es an der Zeit, die bereits vor geraumer Zeit eingeholte Vorsorgevollmacht zu aktivieren, wofür dessen einschlägiges Attest erforderlich ist. Auf die Frage, ob dies wahrhaftig schon notwendig ist, kam prompt die Antwort des Arztes: „Worauf wollen sie noch warten?“, und das Gutachten zur Vorlage beim Notar wurde erstellt.

Am selben Abend waren wir im Votiv-Kino, um uns „Late Blossom Blues – The Journey of Leo „Bud“ Welch“ anzusehen; die umtriebige Sissi hatte Karten dafür bestellt. In diesem von den Österreichern Wolfgang Almer und Stefan Wolner produzierten Film wird die Geschichte eines Musikers erzählt, der immer schon den Blues gespielt hat, aber erst mit 82 Jahren auf Bühnen. Welch ist Jahrgang 1932 und gilt als Veteran, obwohl viele Blueser schon gestorben waren, als er zur Welt kam (z.B. Blind Lemon Jefferson, Hersal Thomas etc.). Der Streifen ist als Dokumentation ganz ok und hat auch einige Preise gewonnen; aus musikalischer Sicht hat er mich nicht befriedigt. Welch ist ein sehr mittelmäßiger Gitarrist mit einer passablen Singstimme, die ihn begleitende Schlagzeugerin Dixie Street passt gut zu ihm, ist aber auch keine Weltmeisterin – mehr ist den Musikausschnitten nicht zu entnehmen. Details gibt es unter www.lateblossomblues.com. *)

Den Vormittag des Mittwoch, 10. Mai verbringe ich wie so oft im AKH zur Kontrolle. Die Werte meines Blutbild sind wieder nicht berauschend, also wird Prof. Sillaber Erys für den folgenden Tag bestellen.

Erik hat im Rahmen der Erlangung der Berufsreife die Mathematik-Matura abzulegen – wir sind nervöser als er selbst, oder vielleicht macht er nur gekonnt auf cool?!
Sissi ist beim Notar wegen der Vorsorgevollmacht, Norbert-Opa ist bei uns und isst bei uns. Gegen 16h00 fährt er heim, mit er U1 schafft er es bis jetzt noch immer alleine… wie lange  noch?
Wir fahren noch in den Garten – der Rasen gehört gemäht… somit wieder ein ganz normaler Tag der Vielfalt bei der Simonischen Familie, manche würden vielleicht eine andere Bezeichnung für solche Tage finden…?!

Der folgende Donnerstag, 11. Mai, hat es in sich – zeitig in der Früh finde ich mich auf Station 18J im AKH ein, um die am Vortag von Prof. Sillaber georderten Blutkonserven infundieren zu lassen, die aber nicht eingelangt sind. Nach Urgenzen findet sich meine „blaue Mappe“, eine in Zeiten des Computers anachronistisch wirkende Sammlung verschiedener Befunde, Urkunden etc.
Diverse Befundwerte werden handschriftlich (!) eingetragen, auch handschriftliche Anmerkungen und Kommentare finden sich. An diesem Morgen findet sich darin auch das Blutbestellformular, das versehentlich nicht weitergegeben worden war, natürlich weder vom Herrn Professor noch von der Assistenz.

Was also ist zu tun? Hinunterhurteln nach Ebene 6/Therapie-Raum zur Blutabnahme und endlich Konservenbestellung; zurück nach 18J, warten auf das Blutbild, aber das kommt nicht. Warum kommt es nicht? Urgenz nach etwa 100 Minuten bringt es ans Licht: Es wurde keines gemacht.

Warum wurde keines gemacht? Weil Prof. Sillaber keines braucht und daher auch keines angefordert war. Was also ist zu tun? „Akutabnahme“ in der Tagesklinik, der schlimme Befund dauert genau eine Stunde: HGB5,5 (!) Thrombos 1 (!) – es wird daher neben den Blutkonserven auch noch Thrombozytenkonzentrat angefordert. Erstere kommen um 14h00, zweiteres um 15h00 – wieder einmal ein AKH Marathon.
Einen Nachmittagstermin in der Zahnklinik HERA hatte ich wegen Aussichtslosigkeit zwischenzeitig bereits verschoben.

Am Abend stand unser BLUESimon Konzert „A Tribute To The Blues“ auf dem Programm, an Stelle des abgesagten „Tribute To Hank Williams“. Leider war meine Befindlichkeit aber keineswegs berauschend, ich hatte mich sehr gefreut darauf, doch fühlte mich für eine Teilnahme leider nicht in der Lage. Wieder einmal bewahrheitete sich meine bisherige Erfahrung: die Wirkung der Blutkonserve tritt verzögert ein.

Erst tags darauf berichtete mir Sissi, was ich versäumt hatte, nämlich beinahe ein Summit Meeting der Creme unserer heimischen Blueser mit insgesamt 14 teilnehmenden Akteuren…
Schade!

 

 

 

 

 

 

*) Im „Blues&Rhythm“ Magazin Nr. 320 (Juni 17) findet sich eine Rezension des einzigen auf dem Markt befindlichen Tonträgers Welch‘ – „Live At The Iridium“. Reviewer Mike Stephenson’s Meinung deckt sich mit meinen Eindrücken aus dem Film.

2 Kommentare

  1. Armer Werner!
    Ich bin in der glücklichen Lage meine monatlichen Blutbefunde bei Martina zu machen!
    Befund wird dann zum Herrn Prof. gemailt und dann krieg ich Antwort. Wenn er ganz schlecht ist,muss ich natürlich auch ins KH Hietzing.
    Aber das ist ja nicht so oft!
    Ich wünsch Dir alles Liebe!

  2. Lieber Werner! Irgendwie beschienen mit den handschriftlichen Befunden usw. Auf diese Art und Weise sind eine Menge meiner Befunde verloren gegangen. In Zeiten wie diesen eigentlich unglaublich. Also toi toi toi. Liebe Grüße Babsi

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