Leukämie ist Scheiße! Teil 40

Der Tag der Arbeit fällt überraschender Weise wieder auf den 1. Mai; heuer ist er ein Montag, also „Blue Monday“. Bis neun Uhr habe ich an diesem Tag geschlafen, die beste Sissi von allen hat wieder im Garten übernachtet. Mit Erik bin ich für 12h30 verabredet, weil um 13h00 kommen Regina und Allard mit den Hundsis zum kollektiven Schnitzelessen – also ganz stimmt’s nicht, weil  Vegetarier Allard bekommt Gemüselaibchen, Regina und Sissi haben sich für gebackenen Emmentaler entschieden, beide Hundsis hätten nichts gegen Schnitzel, kriegen aber keins – bleiben also nur Erik und ich übrig. Mahlzeit!

Für den Nachmittag ist die Demontage unserer alten, desolaten Markise angesetzt; das Vordacherl über der Eingangstüre wird ebenfalls interimistisch heruntergenommen, was die leichtere der beiden Übungen ist.

Sehr lebhaft erinnern wir uns noch daran, wie vor etwa acht Jahren die nunmehr ausgediente Markise befestigt wurde. Mit herkömmlichen Dübeln war damals nichts zu machen, die alte Ziegelmauer ist ziemlich brüchig und spuckt die Dübel samt Schrauben aus wie nix. Unser mittlerweile leider verstorbener Freund Frankie, der an der Aktion maßgeblich beteiligt war, beschwerte sich über „de Scheiß-Hockn, de wos fia an is, der wos Voda und Muada daschlogn hot“, ein Spruch, der bei uns zum geflügelten Wort wurde. Nachdem er den „Doktor Gehirnimus“ eingeschaltet hatte wurde entschieden, man könne dem Problem nur mit Ankern beikommen, welche einbetoniert werden müssen. Und so geschah’s. Auf zum damals noch lebenden Baumax, Materialien besorgen, und zurück auf Feld eins zur Montage. Langer Rede kurzer Sinn: die Aktion gelang, drei der Anker würden lt. Frankie „hundat Joa und drei Tog“ halten, der vierte wenigstens fast so lange.

Der damalige Erfolg sollte uns bei der jetzt anstehenden Abmontiererei wenig Freude bereiten. Die alten Anker wurden von beiden Seiten mit dem Maurerfäustel zwecks Lockerung bearbeitet. In der Folge bröckelte zwar das Mauerwerk rundherum ab, die Stahlstängel ließen sich in alle Richtungen bewegen, nur herausziehen konnte man sie vorerst nicht. Erst unter Zuhilfenahme schweren Geräts gaben die verflixten Dinger nach und konnten entfernt werden – dies um den Preis gewaltiger Löcher in der Mauer, deren Schließung Sissi in mehreren Etappen unter Einsatz mehrerer Packungen Moltofill übernehmen wird. Gegen vier Uhr verlassen uns Regina und Allard mitsamt den Hundsis; Sissi und ich haben uns noch mit Wegräumen zu beschäftigen, ehe wir ebenfalls nach Hause fahren.

Der darauf folgende Mittwoch, 3. Mai, ist wieder der letzte Tag eines Vidaza-Zyklus; um 11h00 bin ich fertig und entlassen, die beste Sissi von allen holt mich ab.
Zusammen mit Norbert-Opa fahren wir direkt ins Burgenland, nach Neufeld zu dessen Wochenendhaus. Einiges ist zu erledigen, da dieses Anwesen ja seit vergangenem Jahr nicht mehr regelmäßig besucht und betreut wird, vor allem gehört der Rasen gemäht, der mittlerweile mehr wie ein Krautacker ausschaut, sehr zum Ärger mancher etwas pingeliger Nachbarn. Weil dies nicht nur jetzt, sondern in Permanenz zu erledigen sein wird, muss eine nachhaltige Lösung her, denn Sissi denkt nicht daran, regelmäßig zum Mähen ins Burgenland zu fahren, dazu fehlt uns die Zeit… und auch das Interesse!

Ihr Vater kommt dafür mittlerweile auch nicht mehr in Frage, vor allem weil er ja nicht mehr Auto fahren soll/darf; dessen Lebensgefährtin Lena will und kann aus Gesundheits- und Altersgründen auch nicht mehr hin, also muss die Angelegenheit reguliert und jemand beauftragt werden. Sissis Onkel Willi, ein geistig seht fitter 90-jähriger Kindheits- und Jugendfreund von Norbert-Opa, Nachbar in Neufeld sowie auch in Wien, Freund unserer Familie, weiß Rat. Es gibt hier im Ort eine Firma Fuchs, die solche Aufträge gerne übernimmt und sich regelmäßig um den Rasen kümmern wird.
In der Zwischenzeit hat es mächtig zu regnen begonnen, und wir machen uns auf den Weg, diesen Gartenbaubetrieb aufzusuchen, um Schlüssel hinzubringen und alle Modalitäten zu besprechen und zu fixieren. Wie in kleinen Ortschaften auf dem flachen Land nicht ungebräuchlich, unterliegen Baulichkeiten nicht unbedingt irgendeiner Ordnung in der Nummernvergabe, sondern können wild durcheinander liegen. Nach einer Rundfahrt altes und neues Neufeld finden wir die Firma Fuchs – das Tor in den Hof ist offen und wir fahren hinein. Das Büro ist leicht zu finden und Sissi geht hinein, während ich mit Norbert-Opa im Auto sitzen bleibe und warte. Es dauert nicht lange, bis sie zurückkommt. Sie ist mit dem Ergebnis sehr zufrieden; mit dem Chef persönlich hat sie gesprochen, alle Details geklärt und die Schlüssel übergeben. Fuchs hat bereits etliche  Liegenschaften in der Weekend-Siedlung in Betreuung und kennt die Örtlichkeiten – schon am nächsten Tag wird zum ersten Mal gemäht werden, die Bezahlung soll in nicht festgelegten Zeitabständen als Jahrespauschale erfolgen.

Als wir die Heimfahrt antreten, regnet es noch immer in Strömen; ab der Einfahrt in Wien erwartet uns ein mächtiger Stau. Trotzdem wirkt Sissi gelöst und locker, eine zwar kleine, aber akute Sorge hat sich erledigt.
Ihr Vater wird morgen nicht mehr wissen, dass er in seinem geliebten Neufeld war, wo er seit 1971 nahezu jedes Wochenende verbracht hat, seit seiner Pensionierung vor ca. 25 Jahren fast den ganzen Sommer….

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