Leukämie ist Scheiße! Teil 32

Mehr Downs als Ups…

Am 27. März bringt mich die beste Sissi von allen ins AKH, bevor sie in unseren Garten weiterfährt um einige nötige Arbeiten zu erledigen. In der Ambulanz auf 6I gebe ich eine Blutprobe ab, um  mit dem Ergebnis nach 18J hinaufzufahren (HGB 8,1) – heute ist der erste Tag des neuen Vidaza– Zyklus. Das Mittagessen kann ich noch konsumieren, aber bald darauf wird mir furchtbar schlecht; organisiertes Erbrechen bis 16h00 ist die Folge, danach wird mir besser.

Sissi übernachtet im Garten, weil schon um 8 Uhr früh unser bewährter Baumpfleger Herr Strobl vereinbarungsgemäß kommt der zwei Thujen umzuschneiden hat. Das ist bald erledigt, der ganze Mist entsorgt, die Rechnung bezahlt, alle sind zufrieden. Pünktlich um 10 Uhr kommt eine Dame, die nach Besichtigung einen Kostenvoranschlag für eine neue Markise erstellen wird – auch das ist bald erledigt. Sissi bleibt für Aufräumungsarbeiten eine weitere Nacht im Garten…

Die nächsten Vidaza-Tage überstehe ich ohne größere Probleme; schlechtes Blutbild wird mit Infusionen verbessert.

Der erste April ist ein Samstag – Eriks Geburtstag wird im Garten gefeiert. Norbert-Opa ist schon zu Mittag anwesend, Petra, Norbert und Mona kommen am Nachmittag dazu. Unsere Regina ist per Bahn unterwegs nach Attnang/ OÖ, um Opas kleinen Citroen nach Wien zu holen – heimlich, ohne Opas Wissen, denn DAS wäre für ihn schwer zu verdauen…. glaubt er doch noch immer, selbst regelmäßig damit zu fahren. DAS müssen wir ihm erst kleinweise beibringen, ganz allmählich! Nachdem der herbeigerufene ARBÖ eine neue Batterie eingebaut und den defekten Board-Computer auf Vordermann gebracht hat, ist das 9 Jahre alte Auto (nach fast 8 Monaten Stillstand) endlich startbereit und die Fahrt nach Wien verläuft problemlos; sie findet sogar einen Parkplatz.

Am 2.4. bin ich im Reigen bei „Delta Moon“, breche aber aus Müdigkeit vorzeitig ab, obwohl mir das Konzert gut gefällt. Tags darauf bin ich schon zu Mittag mit Vidaza fertig, und gehe nach dem Essen mit Norbert-Opa und den Hundsis in den Prater. Die Chemotherapie fordert erneut Tribut und ich bin ziemlich geschlaucht; Sissi muss leider alleine in den Reigen zum Gig mit Marco Marchi fahren, sehr schade für mich! Der 4. April ist der letzte Tag des Vidaza-Zyklus; jetzt sollte es eigentlich nur mehr bergauf gehen…

Ein Termin in der Zahnambulanz der HERA am folgenden Tag verläuft ohne Ergebnis. Die Expertin für Zahnersatz, die einen Abdruck hätte machen sollen, ist leider erkrankt und ihr Ersatz leider nicht erschienen (!) – die Aktion wird auf den 20. April verschoben. Am Abend geht es mir wieder schlecht, schon um 22 Uhr bin ich im Bett – mein Gefühl zeigt mir wieder ein Manko im roten Blutbild an.

Am nächsten Morgen habe ich wenig Blutdruck, dafür Puls 101. Sofort fahre ich mit dem Taxi ins AKH und gleich nach 18J, wo Professor Füreder Dienst hat. Bevor noch ein Blutbild produziert wird, schlage ich vor, für alle Fälle gleich Blutkonserven zu bestellen. Der Professor stimmt zu und ordert; bald erscheint er mit dem Befund der mir recht gibt: HGB 6,9, Gelbe 4,0(!), Weiße 3,7. Ich kenne ja mittlerweile die Symptome…

Für alle Fälle wird mir sogleich ein Liter Kochsalzlösung infundiert, um eine etwaige Dehydrierung hintan zu halten. Schon um 13h30 werden alle Konserven geliefert und umgehend angehängt; nach eineinhalb Stunden ist alles erledigt und ich nehme ein Taxi heim.

Am Abend ist Sissi im Local beim BlueSimonkonzert „5 In Love“; ich aber bleibe leider daheim und höre mir um 18h00 auf Radio Orange die Jubiläumssendung von Danny Chicago an, in der Al Cook, Erik Trauner und Sigi Fassl zu Gast sind und auch live musizieren. Für meinen durchwachsenen Zustand ist diese Sendung sicher nicht verantwortlich; Blutdruck und Puls spielen weiter verrückt – die Infusionen scheinen nichts bewirkt zu haben.

Es ist früh am Morgen des Freitag 7.4. und ich fühle mich nach wie vor ziemlich elend. Schon um 8h00 bin ich in der Ambulanz – das Blutbild sagt HGB 7,1, das heißt die Blutinfusion war wieder wirkungslos. Die Thrombozyten sind durch die Plättchen-Infusion immerhin um 10 Punkte auf 14 gestiegen, somit aber immer noch unter dem angestrebten Wert 20. Niemand kann mir die Frage beantworten, was mein Organismus mit den Infusionen aufführt, warum er so viel „verbraucht“ und selbst nichts produziert – eine Folge von Vidaza??? Oder ist einfach die Leukämie selbst schuld???

Jedenfalls werden sofort wieder ‚Rote‘ und ‚Gelbe‘ bestellt und um 14h00 infundiert. Eine Stunde später bin ich fertig und kann nach Hause fahren.

Als mir in der U6 eine junge, hübsche Dame ihren Sitzplatz anbietet, ist mein Tag endgültig im A…!!!  

 

 

 

 

4 Kommentare

  1. Lieber Werner, freue dich das du einen Sitzplatz bekommst. Außerdem kann ich dich trösten, mir ist er von einem mittelalterlichen Mann auch schon angeboten worden. Alles Liebe und Gute, Bärbel

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