Ich bin ein Held!

Ein Hero! Superman, Batman, Spiderman und Terminator in einer Person, nämlich MEINER.
Ich habe mich getraut, habe es gewagt, bin über meinen Schatten gesprungen – ich habe den Jago von der Leine genommen und im vertrauten Draschepark frei herumlaufen lassen! Wer jetzt sagt „a scho wos“, der hat keine Ahnung. Weil warum? Ein einziges Mal ist er bisher leinenlos unterwegs gewesen, weil er sich seines Brustgeschirrs entledigt hat und panisch Richtung Heimat
gerannt ist, dabei Straßen unter akuter Lebensgefahr überquerend. Nur mit Hilfe der besten Sissi von allen, die ich per Handy zu Hilfe gerufen hatte, und einer zufällig an der Schönburgstraße
flanierenden Mädchengruppe ist es damals gelungen, den Ausreißer einzufangen und nach Hause zu transportieren. Tagelang massiv erhöhter Adrenalinspiegel!
In der Zwischenzeit gescheiter geworden, trägt Jago beim Gassigehen jetzt immer ein Halsband, aus dem er sich aus eigener Kraft nicht befreien kann. Wochenlang habe ich ihn trainiert, bis er, immer an der Flexileine hängend, meinem Kommando „hier“ folgt. Das funktioniert. Das klappt immer. Täglich rennt er auf meinen Befehl der fünf Meter langen Leine entlang in meine Richtung, setzt sich zu meinen Füßen nieder und schaut mich an. Nein, Schmankerl nimmt er keines, wahrscheinlich seine persönliche Art, mich zu bestrafen. Aber sonst folgt er. „Hier!“ – und er rennt schon, sitzt und schaut mich an. Die Frage war also: Würde er das auch ohne Leine tun? Oder würde er einfach davonrennen, ohne sich um mein Kommando zu kümmern, mich vielleicht sogar heimlich auslachend?
Es ist wenige Tage her, da wollte ich es wissen. Obwohl mir bewusst war, dass ich auf keinerlei Unterstützung im Fall der Fälle rechnen konnte – weder die beste Sissi, noch Regina, noch Erik waren verfügbar, und ich hätte mangels Handy auch keine Hilfe anfordern können – ritt mich der Teufel. Noch zwei angeleinte, energische und brav befolgte „hier“, und die Leine war ab. Einfach so, nicht ohne Herzklopfen. Was würde passieren? Würde er davonrennen, ohne mich eines weiteren Blickes zu würdigen, würde er sich auf andere Hunde stürzen, Spaziergänger, Jogger, alte Damen attackieren? Nichts von alledem. Der Jago geht einfach zur Tagesordnung über, erledigt seine Geschäfte, begrüßt Hundefreunde, ignoriert Kläffer, erforscht Gebüsche, in die er mit mir niemals gekommen wäre. Er scheint ob meines Mutes überhaupt nicht beeindruckt zu sein, es ist ihm offenbar völlig egal. Er entfernt sich zwar ein paar Meter, wenn es Interessantes zu beschnüffeln gilt, aber dann kommt er angerannt, schaut mich kurz an, und geht wieder.
Vor lauter Freude drehe ich an diesem Tag eine Extrarunde mit ihm. Am Parkausgang vorbeikommend hält er zwar scheinbar verwundert inne, trabt mir aber brav nach, als hätte er niemals etwas anderes getan.
Auch der Moment der Wahrheit funktioniert ohne Problem: Ein energisches „hier“, und der Hund kommt, setzt sich und lässt sich ohne ein Zeichen des Protests anleinen.
Es ist vollbracht. Es ist prachtvoll. Auch die beste Sissi ist glücklich. Was ich mir hätte anhören müssen, wäre das Experiment misslungen, möchte ich mir nicht ausmalen, ist aber kein Thema mehr.
Die Wahrheit ist: Meine Angst, den Jago zu verlieren, ist wesentlich kleiner als die Angst des Jago, mich zu verlieren.
So einfach ist das!

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