Der Fürchtmich-Bewerb zur Schönen Burg

…hat nicht stattgefunden und kann auch nicht mehr stattfinden, weil unser Kater Theo verstorben ist, ehe uns der Hund Jago zugewachsen ist. Wie bereits in der vorigen Geschichte erzählt, ist Jago ein selten furchtsames Tier – ähnlich furchtsam war der Theo. Zur Illustration: Eine liebe Kollegin der besten Sissi von allen, die uns in unregelmäßigen Abständen zu besuchen pflegte, brachte immer ihren Hund mit, eine Pekinesin mit dem schönen Namen Mimi. Nun sind Pekinesen (das sind die mit den eing´hauten Gesichtern) allgemein nicht sehr groß, Mimi aber war ein besonders kleines Exemplar und brachte bestenfalls etwa fünf Kilo auf die Waage, während Theo zu seiner besten Zeit mit zehn Kilo+ aufwarten konnte. Nun hätte man annehmen können, dass sich Mimi auf Grund
ihres Mindergewichts respektvoll in eine Ecke zurückziehen würde, sorgsam darauf achtend, dem Theo nicht in die Quere zu kommen. Das Gegenteil war der Fall – Mimi wieselte keuchend in der ganzen Wohnung umher, vergeblich nach Theo Ausschau haltend, der sich meist irgendwo an höherer Stelle versteckte, unerreichbar für Mimi. Obwohl der riesige Kater den Minihund mühelos hätte zum Frühstück verspeisen können, hielt er sich an die Regel: Katzen haben sich grundsätzlich gefälligst vor Hunden zu fürchten.

Aber zurück zu Jago dem Furchtsamen: Dem ist grundsätzlich nichts geheuer, oft sogar nicht einmal das, was er schon kennt. Männer sind generell furchterregend, besonders wenn sie sich so wie z.B. ich bereits in fortgeschrittenem Alter befinden. Noch schlimmer sind ältere Männer in dunkler Kleidung. Der Johnny Cash wäre für ihn ein wahrer Golem gewesen!
Eine erhobene Hand – furchtbar. Ein Stiegenhaus – schrecklich. Fahrräder – oh Gott! Fahrräder mit Fahrer – Schwanz eingezogen. Fahrräder mit Fahrer und Klingel – Schwanz eingezogen und Ohren angelegt.
Diese Liste ließe sich beliebig fortsetzen; das schlimmste Erlebnis bisher aber hatte er mit unserem, zugegebener weise sehr großen, Wohnzimmerluster, der mit einem Ventilator ausgestattet ist: Jago sitzt mit unserer Tochter Regina auf der Couch und lässt sich ausgiebig streicheln, als Sissi auf die glorreiche Idee kommt, den Ventilator in Gang zu setzen – Panik! Mit einem Satz auf den Boden, Flucht in Richtung Vorzimmer, nicht ohne sich den Kopf am Klavierstockerl anzuhauen, mit quietschenden Reifen um die Ecke und auf seinen Platz in Reginas Zimmer. Seitdem sind Beleuchtungskörper aller Art ein Horror, besonders wenn sie sich über seinem Kopf befinden – und wer, bitteschön, hat schon Beleuchtungskörper in Bodennähe?
Jago hat den ‚Dog House Blues‘. Er scheint gallische Vorfahren gehabt zu haben, denn offensichtlich hat er besondere Angst davor, der Himmel könnte ihm auf den Kopf fallen. Respekt also verdient, was sich über ihm abspielt, und das ist fast alles. Er zieht sich daher bevorzugt unter Tische und/oder Sessel zurück, wo er sich auf der sicheren Seite wähnt. Eine Hundehütte, die er gewohnt gewesen zu sein scheint, können wir ihm (noch) nicht anbieten.

Liebe Grüße von Eurem Blues-Hund Jago

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