Hilfe, es ist passiert. Ich bin auf den Hund gekommen. Falsch. Der Hund ist über mich gekommen.
Alle Appelle an die Vernunft, Proteste, Hilfeschreie, Wutausbrüche meinerseits haben nix gefruchtet. So wie seinerzeit, als unser Kater Theo über mich gekommen ist, er möge in Frieden ruhen.
„Se haum“, sagte damals mein Friseur, „se haum ka Schanze. Waun ihnare Kinda a Kotz woen, kriangs a Kotz“.
„Sie haben“, sagte mein schönsprechender Masseur, „Sie haben keine Chance. Was haben Sie, zwei kleine Kinder die was eine Katz wollen? Sie kriegen a Katz, so schnö kennan Se goanet schaun!“.
Beide haben Recht behalten. So schnell konnte ich nicht schauen, da war er schon da, das schwarze Ungeheuer, fast noch ein Baby, aber schon halbstark. Ein liebes Katzerl!
Keinen Finger habe ich für den Kater gerührt. Höchstens jahrelang Futter besorgt, Streu besorgt, Kisterl ausgeräumt, sonst nix. Na gut, gestreichelt habe ich ihn auch, weil er ein ganz ein Sanfter war, auch wenn er oft meine Vinylschätze mit seinen Krallen malträtiert hat, das Rabenbratl. Warum ich das erzähle? Weils ein klassisches deja vu ist, das mit dem Hund.
„Rostiger“ hat er geheißen, als er noch in Ungarn an der Kette hing, „Gabor“ hat man ihn im Tierschutzhaus genannt. Jetzt heißt er „Jago“ so wie der aus Othello oder der böse Papagei aus dem Aladdin-Comic.
„Ich lege Wert auf die Feststellung“, sagte ich, als sich der Rest der Familie aufmachte um das Tier abzuholen, „dass die Anschaffung eines Hundes gegen meinen Willen erfolgt und ich auf das Schärfste protestiere. Ich werde mich um diesen Zuwachs in keiner Weise kümmern, ich will damit nichts zu tun haben!“.
Jaja, manchmal rede ich so geschwollen, besonders wenn ich mich aufrege. Meine Sissi, die beste von ganz überall, lächelte kryptisch und schloss die Tür hinter sich.
Noch glaubte ich nicht daran. Wahrscheinlich ein Albtraum, eine Halluzination, eine Verarschung. Das trauen die sich nie, mein heiliger Zorn ist ja bekannt und gefürchtet.
In unseren Garten haben sie ihn gebracht, und mein Sohn Erik, der Verräter, hat die erste Aufsicht.
Angeblich ist er drei Jahre alt (nicht der Erik, der ist schon 19, sondern der Hund), und wer sich da mit wem eingelassen hat, weiß man nicht. Ein Dackel war mit Sicherheit beteiligt, alles andere bleibt im Dunkeln. Mir kann es egal sein, weil mich geht das Ganze nichts an. Ein liebes Gschau dürfte er haben, so genau weiß ich es noch nicht, weil er sich mir vor lauter Angst nicht nähert.
Vielleicht hasst er mich, weil er weiß, dass ich mit ihm nichts zu tun haben will. Eigentlich schade, weil einmal streicheln täte ich ihn schon wollen. Außerdem ist das Blödsinn, Hunde können Menschen gar nicht hassen, höchstens wütend können sie werden. Manche, aber nicht der Jago. Der kann derweilen nur eines – sich fürchten.
Übrigens: Manchmal, wenn auch selten, kommen Hunde auch im Blues vor.
Hilfe!
